Donnerstag, 21. November 2013

Jennifer Lawrence zieht es ein zweites Mal in die Arena - Die Tribute von Panem: Catching Fire!


©Studio Canal

Seit den Verfilmungen der „Harry Potter“-Romane ist ganz Hollywood auf der Suche nach einer weiteren Goldgrube im Bereich der Jugendbuchverfilmungen. Viele Versuche wurden gestartet, von denen die meisten schon längst wieder begraben sind. 

Mit „Die Tribute von Panem“ gelang den Produzenten vor zwei Jahren allerdings ein Glücksgriff. Die populäre Buchreihe und deren Verfilmungen von Suzanne Collins entwickelte sich zu einem Phänomen, dass die Kritiker meist zufriedenstellte und die Kinokassen klingeln ließ.
Nun steht mit „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ Teil 2 der (Buch)Trilogie an und die Erwartungen, sowie der Hype davor waren groß. 

Kann die Fortsetzung seinen Vorgänger schlagen? 

Ein großer Vorteil des Films ist, dass das seltsame Weltbild und die Herkunft der Hungerspiele nicht mehr erklärt werden müssen. Der Zuschauer weiß, worauf er sich einlässt und muss sich wenig bzw. keine Gedanken mehr um das allzu wacklige Gerüst um Brot und Spiele machen. Die Zweifler sind sowieso schon abgesprungen. Demnach ist nun Platz um gehörig viel für charakterliche Tiefe zu tun, die Figuren weiter auszubauen und die Dramatik rund um Katniss und Co weiter zu veranschaulichen. 

Das gelingt dem Film bravourös. 

Wie schon in Teil 1 ist das Vorspiel der Hungerspiele viel interessanter, als die eigentlichen Kämpfe. Katniss und Peeta müssen nun auf eine Tour der Sieger durch sämtliche Distrikte. Die Revolution macht sich allerdings breit und stellt Beide vor eine schwierige Situation. Sollen sie für Präsident Snow das perfekte Pärchen mimen, oder aufbegehren? 


©Studio Canal

Hier macht „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ schlichtweg alles richtig. In tristen, düsteren Bildern malt der Film die Geschehnisse in den Distrikten, lässt unschuldige Bürger vor laufenden Kameras auspeitschen und wahllos in die Menge schießen. Niemand ist mehr sicher, das Capitol unter der Führung des diabolischen Snow versucht alles, um an der Macht zu bleiben.
Der Regisseur-Wechsel macht sich generell wohltuend bemerkbar. Francis Lawrence ist eben eine andere Hausnummer als Gary Ross, der noch für den Erstling verantwortlich zeigte. Lawrence flößt sämtlichen Figuren viel Tiefe ein, gibt selbst kleinen Nebencharakteren genügend Raum zur Entfaltung. „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ berührt tatsächlich in vielerlei Szenen. Besonders erwähnenswert ist der Besuch der Sieger im District 11, in denen die kleine Rue und Thrash zu Hause waren. Sehr emotional, wunderschön fotografiert und packend. 

Natürlich ist dies auch ein Verdienst der großartigen Darsteller-Riege, die es inzwischen sogar mit dem Starensemble aus „Harry Potter“ aufnehmen kann. 

Die First Lady Jennifer Lawrence ist bezaubernd wie eh und je. Glaubhaft mimt sie die toughe und doch verletzliche Katniss und bewegt sich wohltuend fernab üblicher Hollywoodklischees. Einziger Schwachpunkt ist immer noch ihr Filmpartner Josh Hutcherson. Er darf zwar auch ein wenig mehr von sich zeigen, ist im Grunde aber immer noch so farblos wie in Teil 1. Dafür keimt in gemeinsamen Szenen doch so etwas wie Chemie zwischen den Beiden auf. 

Großes Kino lässt sich in den Nebenrollen finden. Woody Harrelson in der Rolle des Mentors Haymitch ist die perfekte Wahl und Elizabeth Banks als Effy darf endlich mal zeigen, wozu sie fähig ist. Ihre exaltierte Art, die nur ihre tief empfundene Verbundenheit mit Katniss und Peeta überdeckt, ist großartig. Ein wenig mehr Screentime bekommt nun auch Präsident Snow alias Donald Sutherland. In Würde gealtert benötigt er nur Augenblicke um seine Gefahr unter Beweis zu stellen. Stanley Tucci ist wieder einmal höchst unterhaltend und gibt die extrovertierte Art des Capitols perfekt wieder.
Unter den Neuzugängen befinden sich Hochkaräter wie Philip Seymor Hoffman und Jeffey Wright. Vor allem Ersterer glänzt mit seiner süffisanten Art. Der Cast ist schlicht und ergreifend wundervoll und überaus passend. Volle Punktzahl auch hier und ein Dank an das Casting-Team. 

Doch sollen die Schwächen nicht verschwiegen werden. 

Wenn es nach fast zwei Stunden ein erneutes mal in die Arena geht, lässt auch die Spannung hier und da etwas nach. Nachdem das Publikum ¾ des Films mit Politik, Aufständen und exzellent erzähltem Drama(wenngleich auch nicht sonderlich subtil) verbringen durfte, können die Hungerspiele nicht dieselbe Faszination ausstrahlen. Dennoch gestaltet Regisseur Lawrence die Kämpfe weitaus übersichtlicher. Auch die Effekte sind ein gutes Stück besser geworden. Nichtsdestotrotz bleibt das Geschehen interessant. Zum Ende hin zieht der Film noch einmal ordentlich an und es wird offensichtlich, dass Francis Lawrence zum Besten gehört, dass derzeit in Hollywood herumläuft. Die Panem-Reihe hat seinen Regisseur gefunden. Visuell setzt er genügend Akzente, vor allem das Finale ist wunderschön eingefangen. „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ leidet allerdings am üblichen Tumor eines jeden Mittelteils: Ein verdammt offenes Ende. 

Für sich allein kann er nicht existieren und hängt ein wenig in der Luft. Vergleichbar mit einem Appetizer, der das Publikum bei Laune halten soll, bevor in Teil drei und vier dem Capitol so richtig der A**** aufgerissen wird. 

Trotzdem. „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ ist glücklicherweise keine Enttäuschung im etwas mauen Blockbusterjahr 2013. Danke dafür. 


©Studio Canal
BEWERTUNG: 08/10
Titel: Die Tribute von Panem 2: Catching Fire
FSK: ab 12 freigegben
Regisseur: Francis Lawrence
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Donald Sutherland, Liam Hemsworth, Jeffrey Wright, Philip Seymor Hoffman, Lenny Kravitz, Jenna Malone, Sam Claflin, Stanley Tucci






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