Montag, 18. November 2013

Die Rückkehr der Coen Brüder - Inside Llewyn Davis!




AB 5. DEZEMBER IM KINO! ©Studio Canal

Ganze drei Jahre ist es her, seit die allseits bekannten Coen Brüder mit „True Grit“ im Kino zugegen waren. Mit „Inside Llewyn Davis“ sind sie wieder zurück und die Erwartungen könnten nicht höher sein. 

Schon im Jahre 2000 sorgten die Brüder mit ihrer Odyssee „O Brother, Where Art Thou“ für Furore und frönten gleichzeitig dem Bluegrass bzw. der Country Musik. Mit ihrem neuesten Film verschlägt es sie wieder in ähnliche Gefilde. 

Der Zuschauer folgt dem erfolglosen Künstler Llewyn Davis in den 60er Jahren, der von Tag zu Tag lebt und mit kleineren Gigs versucht über die Runden zu kommen. Gedanken um die Zukunft sorgen ihn nicht. Freunde, Familie, Freundin – sie alle stehen bei ihm unter der Musik. Das macht ihn zu keinem einfachen Zeitgenossen, was auch das Publikum recht bald bemerkt. Davis bewegt sich von einem Down zum anderen und findet sich selbst nicht zurecht. Nur durch das Singen vermag er alles um sich herum zu vergessen. 

Sneak-Ausgabe #9
Oscar Isaac („Sucker Punch“) beeindruckt in der Rolle des Hauptcharakters über alle Maßen. Angenehm zurückgenommen zeichnet er das Bild eines innerlich verkümmerten Charakters, der mit dem Verlust seines Musik-Partners nicht abschließen kann. Hinzu kommt noch Isaacs immenses Talent als Sänger. Sobald er spielt, verstummt das Publikum und hört zu. Doch nicht nur Isaac trumpft auf. Sämtliche Darsteller, egal wie lange bzw. kurz zu sehen, wissen zu überzeugen. Es ist eine große Stärke der Coens, die unterschiedlichsten Menschen in ihren Filmen aufeinandertreffen zu lassen. Jeder mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, zum Teil skurril und manchmal auch ein wenig überzogen. Doch muss man ihnen hoch anrechnen, dass der Zuschauer stets am Ball bleibt und jede ihrer Figuren ein Unikat darstellt. Da ist es schon fast ärgerlich, wenn manche Personen allzu flott von der Bildfläche verschwinden und nicht mehr auftauchen. Hier beginnt „Inside Llewyn Davis“ leider ein wenig zu schwächeln. 


Zu Beginn wird Davis' Figur und seine Beziehung zu dem Pärchen Jim und Jean ausführlich vorgestellt. Hier feuern die Coens aus allen Rohren. Der Verlauf der Geschichte ist interessant, die Dialoge wunderbar scharfsinnig. Aus Alltagssituationen heraus entwickelt sich hinreißende Komik, die überraschend oft zum Lachen animiert. 

©Studio Canal
Doch sobald das eigentliche Drama seinen Lauf nimmt, verlassen die Coens und damit auch das Publikum den ersten Schauplatz. „Inside Llewyn Davis“ mutiert nun zu einem Roadmovie, das Davis im Verlauf eine Vielzahl an Menschen vorstellt und sie genauso schnell wieder über Bord wirft.
John Goodman, Garrett Hedlund, Justin Timberlake, Carey Mulligan und Co. Sie alle sind im Grunde unheimlich interessant. Aus Einigen ließe sich sogar ein eigener Film gestalten. Nur schade, dass das Potenzial nicht genutzt wird. 

So schlingert „Inside Llewyn Davis“ von einem Punkt zum Nächsten. Ohne Ziel, ohne Struktur. Natürlich verdeutlicht das nur das Dilemma, in dem der Protagonist steckt. Doch leider fehlt dem Zuschauer fast jegliche Bindung, um mit ihm zu fühlen und seine Beweggründe zu verstehen.
Jedes mal, wenn sich etwas Dramatik entwickeln will, flieht Davis. Selbstverständlich ist das pure Absicht der Regisseure. Man kann buchstäblich ihr Kichern hören, wenn der Zuschauer sich auf eine Konfrontation einstellt und Davis einfach weiter macht. Nicht umsonst stellte Joel Cohen in Cannes mit einem Augenzwinkern fest: 

„The film doesn't really have a plot. That concerned us at one point; that's why we threw the cat in."

Es wäre natürlich vermessen zu behaupten, „Inside Llewyn Davis“ wäre ein schlechter Film. Wie immer schaffen sie einige eindringliche Szenen und huldigen der Folkmusik in angenehm zurückhaltender Art und Weise. Auch sämtliche Darsteller befinden sich hier in absoluter Topform und der Soundtrack ist schlichtweg genial. Doch mit Einsetzen des Abspanns stellt sich eine gewisse Leere ein. Das Gefühl, als ob etwas fehlen würde. Das Schicksal des Sängers Llewyn Davis berührt den Zuschauer nicht und die Songs wissen im Kontext des Films nicht auf die Art zu packen, wie es dieses Jahr „The Broken Circle“ eindrucksvoll gelang. 

Dann doch lieber noch einmal „O Brother, Where Art Thou“ schauen. Der ist nämlich das gesamte Package. 

©Studio Canal

 BEWERTUNG: 07/10
Titel: Inside Llewyn Davis
Regisseure: Joel und Ethan Coen
Darsteller: Oscar Isaac, Carey Mulligan, John Goodman, Garrett Hedlund, Justin Timberlake






Kommentare:

  1. Der kam in der Sneak? Dann hab ich ja doch noch Hoffnung für nächste Woche (bei uns nur alle 2 Wochen)
    Den Text les ich dann mal danach ^^

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  2. Jep. Die Publikumswertung betrug 2,8. Kam also ganz gut an, auch wenn wir alle mit einem besseren Ergebnis (und auch besserem Film) gerechnet haben.
    PS: Wir veranstalten die auch nur alle zwei Wochen. ;)

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    1. Kam leider nicht, aber dafür seh ich den ja dann irgendwann im Laufe der Woche. Dann kann ich ENDLICH den Text lesen (lese nie etwas vorab).
      2,8? Nach Schulnoten oder wie? Bei uns gibt's sowas nicht.^^

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    2. Haha, kein Problem. Lass dir Zeit.
      Jep, wir verteilen einen ganz schicken Bewertungsbogen und die Besucher dürfen anschließend bewerten. Von 1(sehr gut) bis 6(richtig mies).

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    3. Ah, cool. Sowas hätte ich gerne gestern gehabt, bei "Machete Kills" (6!).

      So, hab ILD jetzt gesehen.
      "Doch mit Einsetzen des Abspanns stellt sich eine gewisse Leere ein. Das Gefühl, als ob etwas fehlen würde."
      Schade! Genau das hatte ich nicht. Bei mir war der Film auf seine Weise perfekt. ;)

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