Dienstag, 8. Oktober 2013

Nicht alles ist Gold, was glänzt - Under the Dome Staffel 1, oder wie mir 13 Stunden Lebenszeit gestohlen wurde...


Titel: Under the Dome; Produzenten: Stephen King, Stephen Spielberg; FSK: ab 16 freigeben; ©CBS

Die Serienlandschaft erlebt seit geraumer Zeit einen wahren Boom. Mit „Game of Thrones“, „Dexter“ oder „Breaking Bad“ entstanden in den letzten Jahren Phänomene, die sofort Einzug in die Popkultur gefunden haben. Seitdem wird immer mehr Geld für die Serienproduktion verwendet, denn die Zuschauer honorieren doch tatsächlich Qualität mit hohen Quoten. 

Nun will das amerikanische Network CBS offensichtlich nachziehen. Mit Stephen King und Stephen Spielberg stehen gleich zwei der prominentesten Vertreter ihres Fachs Pate. Ersterer versorgt das Team durch sein Buch „Die Arena“ mit der Story dahinter, während Letzterer als ausführender Produzent zu Tage tritt. Allerdings gilt schon Kings Buch unter seinen Fans als nicht sonderlich gelungen bzw. mittelmäßig und auch ein Herr Spielberg lag mit Serien schon des Öfteren weit daneben („Terra Nova“). 

„Under the Dome“ erzählt in (bisher) 13 Episoden vom Schicksal der Kleinstadt Chester's Mill, die von einer ominösen Kuppel überdeckt wird und fortan auf sich allein gestellt ist. Von der Außenwelt abgeschnitten, muss sich die Bevölkerung mit der ungewöhnlichen Situation arrangieren, was natürlich für einiges an Konfliktpotenzial sorgt. Das Verhalten des Militärs auf der gegenüberliegenden Seite trägt nicht gerade zur Beruhigung der sowieso schon blank liegenden Nerven bei. 

Zentrale Fragen quälen die Menschen unter der Sphäre. Woher kommt sie? Wer ist dafür verantwortlich? Und vor allem: Wie überlebe ich?

Das hört sich auf dem Papier natürlich großartig an. Die Prämisse schürt, wie nicht anders zu erwarten war, großes Interesse und kann den Zuschauer auch fürs Erste an den Fernseher binden. Wendet sich der Zuschauer aber hin zu Figurenkonstellationen, charakterlicher Tiefe oder gar Plausibilität sieht das Ganze schon bedeutend anders aus. 

©CBS

Unter der Vielzahl an Protagonisten gibt es nicht einen Einzigen(!), der so etwas wie Interesse hervorrufen kann. Allesamt sind sie zu weiten Teilen unsympathisch, agieren unglaubwürdig und reichen nicht über den Status einer Schablone hinaus. 

Wir haben den pflichtbewussten weiblichen Sheriff, einen zwielichtigen Fremden, ein über alle Maßen schlauer Bengel und natürlich den korrupten Offiziellen der Stadt. Das wäre eigentlich noch gar nicht schlimm, immerhin ist es stets möglich eine unvorhersehbare Wendung einzubauen und Charaktere ambivalent erscheinen zu lassen. Diese Chance wird von den Drehbuchautoren jedoch ständig in den Wind geschossen. Nach und nach schwindet der Durchhaltewille des Publikums, den Bewohnern von Chester's Mill zu folgen. 

Das liegt an den bereits erwähnten dämlichen Figuren, regelmäßigem Stirnrunzeln aufgrund von irrationalen Handlungen und Entwicklungen, die einfach keinen Sinn ergeben. Diese Vorkommnisse häufen sich leider Gottes mit der Zeit, was es nicht ermöglicht, einen Zugang zu „Under the Dome“ zu finden. Die Story wird immer abstruser, die Glaubhaftigkeit sinkt in unvorstellbarem Ausmaße und das Staffelfinale fühlt sich an, wie ein Schlag ins Gesicht. 

Da kann sich der Cast rund um Dean Norris („Breaking Bad“) noch so bemühen, es hilft nichts. Die Darsteller werden regelmäßig durch nichtssagende Dialoge boykottiert und wenn es mal nicht das gesprochene Wort ist, dann eben die weitere Entwicklung der Story. Die geizt nämlich nicht mit unfreiwilliger Komik oder eben absurden Momenten, die absolut keinen Sinn ergeben. Hier ist man in Zeiten von niveauvoller Serien-Unterhaltung a la „Game of Thrones“ um ein Vielfaches mehr gewohnt. 

Kaum zu glauben, dass Stephen King dieses Machwerk tatsächlich verteidigt hat, obwohl „Under the Dome“ ein weiterer Eintrag in die Liste mittelmäßiger bis schlechter King-Verfilmungen darstellt.
Doch nicht alles ist misslungen. Der Zuschauer merkt ziemlich schnell, dass die Produktion einiges an Geld verschlungen haben muss. Die Effekte sind im Großen und Ganzen fantastisch und lassen die Illusion einer eingesperrten Stadt gekonnt auferstehen. Vor allem im Piloten gibt es noch einiges mehr zu bestaunen, als bloß eine halbierte Kuh. Hier trumpft die Serie auf, als scheinen sich die Macher bewusst zu sein, dass sie möglichst viel Blendwerk hineinstecken müssen, um für eine zweite Staffel verlängert zu werden. Hier kann den Produzenten nur gratuliert werden. Denn trotz desaströsen Story Arcs und komplett konstruiert wirkenden Figurenkonstellationen, hat es „Under the Dome“ wirklich geschafft. Weitere 13 Folgen sind bestellt und der Zuschauer darf gespannt sein, wie das Trauerspiel weiter geht. Oder eben nicht. 


                                                          BEWERTUNG: 04/10



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