Mittwoch, 23. Oktober 2013

Die Menschheit allein auf weiter Flur....oder doch nicht?!? - Europa Report!


©Ascot Elite
Das Jahr 2013 hat mit „Gravitiy“ seinen ganz persönlichen Science Fiction Hit. Zwangsläufig gehen deshalb einige kleine Produktionen verloren, denen eigentlich mehr Aufmerksamkeit gezollt werden sollte. Dieses Schicksal musste leider auch „Europa Report“ teilen, der hierzulande nur auf dem Fantasy Filmfest gezeigt und anschließend als Direct to DVD vermarktet wurde.

Die wenigen Glücklichen, die ihn auf großer Leinwand sahen, wissen es bereits. 

„Europa Report“ ist eine wahre Perle des Genres.
In unmittelbarer Zukunft schickt die Menschheit die erste bemannte Raumfahrtmission zum Jupiter. Genauer gesagt zu einem Mond in dessen Umlaufbahn. Europa. Dort soll sich unter einer dicken Eisschicht ein riesiges Meer befinden, wo theoretisch Leben existieren könnte. 

Aufgemacht ist „Europa Report“ als Found Footage Thriller. Das bedeutet, dass er sich fester Kameraperspektiven bedient, die die Überwachungskameras an Bord simulieren sollen. Nur ab und zu wird das Ganze durch ein filmendes Crewmitglied unterbrochen. Glücklicherweise ergeht es dem Film nicht wie zahlreichen Vertretern gleichen Genres in den letzten Jahren. Das Stilmittel wird stets gewinnbringend genutzt und ist konsequent umgesetzt. Kein einziges Mal fällt der Stil der Inszenierung dahingehend negativ auf. Endlich kommt der Zuschauer wieder in den Genuss eines gelungenen Found Footage-Films. 

Lediglich auf narrativer Ebene offenbart er Schwächen. Die anfangs etwas willkürlich zusammengesetzte Erzählstruktur erschwert dem Publikum das Abtauchen in die Tiefe des Weltalls. Der ständige Wechsel zwischen Zukunft und Vergangenheit wirkt teilweise holprig und es stellt sich doch die Frage, ob ein geradliniger Aufbau nicht hilfreicher gewesen wäre. 

©Ascot Elite
Sei es wie es sei. Dafür ist der international zusammengewürfelte Cast vortrefflich besetzt, auch wenn die großen Namen ausbleiben. Bekannte Gesichter finden sich nur in Michael Nyqvist(schwedische Millenium-Trilogie), Sharlto Copley( „District 9“ und „Elysium“) und Christian Camargo („Dexter“). Alles talentierte Leute der zweiten Garde also. Zwar sind ihre Rollen allesamt ein wenig stereotyp und flach, allerdings ist es nicht verwunderlich, dass auf einer Weltraummission jeder eine bestimmte Spezifikation besitzt, mit der er heraussticht. 

Gegen Ende ist das Verhalten mancher Figuren etwas unglaubwürdig, aber das macht nicht das Geringste aus. Dafür lockt der ecuadorianische Regisseur Sèbastian Cordero den Zuschauer immer tiefer hinein in die faszinierende Welt Europas. Es ist erstaunlich, mit wie wenig Mitteln er es vermag wunderschöne Bilder auf die Leinwand zu werfen und das Publikum dadurch in seinen Bann zu ziehen. Zwar beginnt „Europa Report“ noch einigermaßen gemächlich, doch mit der Zeit gewinnt er an Fahrt und zieht die Spannungsschraube deutlich an. 

Die Frage ob oder was dort draußen lauert, immer neue Gefahren im All, empfindlich gestörte Gruppendynamik – all das ist äußerst packend. Trotzdem ist der Film eher für Sci Fi Fans zu empfehlen und nicht für das Mainstream-Publikum. Er ist nämlich in seiner Art deutlich ruhiger als vermeintliche Genre-Nachbarn, nimmt sich Zeit und haut selten auf die Pauke. 

Wie das Ende einzuordnen ist, hat allerdings jeder für sich selbst zu entscheiden. Love it or hate it.

©Ascot Elite

 BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Europa Report
Genre: Science Fiction
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 88 Min
Regisseur: Sébastian Cordero
Darsteller: Michael Nyqvist, Sharlto Copley, Christian Camargo, Daniel Wu, Annamaria Marinca, Karolina Wydra



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen