Montag, 28. Oktober 2013

Beware of wild food -> It will bite!// "Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen 2"



©Sony Pictures Animation

Ganze vier Jahre ist es her, da beglückte Sony Animation Pictures die Zuschauer mit einem durch und durch abgedrehten Animations-Spaß namens „Wolkig mit der Aussicht aus Fleischbällchen“. Das Ergebnis sah aus wie ein eingeworfener LSD-Trip, auf dem die Macher zum Entstehungszeitpunkt mit absoluter Sicherheit auch gewesen sein müssen. Eine derartige Fülle an faszinierend-durchgedrehten Ideen, skurrilen Charakteren und irren Szenen-Abfolgen ist auf andere Weise doch gar nicht realisierbar. 

Die Freude war groß, als für 2013 ein Sequel angekündigt wurde. Die Trailer machten einen vernünftigen Eindruck und stimmten auf die Fortsetzung ein. Doch, wie so oft, folgt der Vorfreude bodenlose Enttäuschung. 

Der Charme, der den Erstling noch komplett ausfüllte, ist einer höher, schneller, weiter Mentalität gewichen, die kaum Zeit lässt, mit einem der Charaktere zu fühlen oder gar mitzufiebern. Der Film hetzt von einem Punkt zum Nächsten ohne auch nur einen Funken Interesse an seinen Figuren zu heucheln. Aber erst einmal der Reihe nach. 

„Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen 2“ setzt nahtlos am Vorgänger an. Der FLDSMDFR (Sprich: Flitzem-deför) ist zerstört, keine Nahrung fällt mehr vom Himmel. Bevor allerdings irgendetwas geregelt werden kann, taucht der ominöse Super-Erfinder Chester V auf und nimmt die Insel mit einem Vorwand in Beschlag. Unser Held Flint wird von seinem Idol V in seine Firma aufgenommen und meint, das große Los gezogen zu haben. Von Anfang an ist klar, dass sein Chef jedoch Böses im Schilde führt....

© Sony Pictures Animation

Der Zuschauer ist schon beinahe entsetzt, aufgrund der ersten Dreiviertelstunde. Abgeschnitten von jeglichem Nahrungsmittel-Tohuwabohu präsentiert sich „Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen 2“ überraschend witzfrei und langweilig. So gut wie keiner der Gags findet seinen Weg ins Ziel und sämtliche überdrehten Charaktere lassen den Charme aus Teil 1 schmerzlich vermissen. Da hilft es auch nicht, dass das Publikum dem Skript eine gefühlte Stunde voraus ist. Auch wenn es sich hierbei um einen Kinderfilm handelt, darf das Drehbuch ruhig die eine oder andere Wendung parat haben. Oder wenigstens mit einer annehmbaren Gagdichte aufwarten. Tut es aber nicht. Der Rezipient lechzt schon beinahe nach dem Moment, in dem es Flint und Co wieder gen Heimat zieht. 

Keimt anfangs noch ein wenig Hoffnung auf, versiegt diese schleunigst wieder. Die ungleiche Truppe hetzt von einem Checkpoint zum anderen, 30 Sekunden Ruhe folgt eine mindestens 5-minütige Verfolgungsjagd. Muss denn heutzutage jeder Kinderfilm seine Helden durch die Laufzeit schlichtweg prügeln? Müssen 20 Verfolgungsjagden innerhalb eines Filmes wirklich stattfinden? Wo sind die kraftvollen und wohl dosierten „Actionszenen“, wie sie ein „König der Löwen“ bietet? Selbst der Regisseur jenes Filmes scheint auf den aktuellen Trend aufzuspringen. Der Trailer zu seinem neuesten Film „Die Abenteuer des Mr. Peabody & Sherman“ scheint in dieselbe Richtung zu zielen. Diese Entwicklung ist als bedauerlich einzustufen. 

Dafür ist die Welt der lebenden Nahrungsmittel selbstredend vortrefflich animiert und liebevoll in Szene gesetzt. Besonders bei der Namensgebung waren die Macher besonders kreativ. So gilt es U-Brote, Tacodile und Frittantulas zu bestaunen. Hier schimmert für kurze Zeit wieder der Geist des Erstlings durch die Pixelmasse. Wäre da nicht die unglaublich nervige Cindy aus Marzahn, der dummerweise eine Hauptrolle angeboten wurde und die diese auf ihre typische Art und Weise spricht. Das nimmt den Dialogen vollkommen ihr komödiantisches Potenzial. Nicht mal Gag-Garanten, wie der besonders männliche Polizist oder Flints Vater können da noch irgendetwas reißen. 

Doch halt. Zum Finale hin scheinen sich die kreativen Köpfe von Sony tatsächlich wieder gefangen zu haben. Zwar wird das Niveau des Vorgängers nie erreicht, die Gagdichte wird allerdings deutlich angehoben. Für die letzten zwanzig Minuten keimt wieder Interesse auf, was allerdings eine Stunde zu spät kommt. So fällt das Fazit im Grunde etwas versöhnlicher aus, auch wenn viel Potenzial ungenutzt bleibt und „Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen 2“ nur die ganz Kleinen wirklich überzeugen dürfte. Für alle Anderen gibt es ja immer noch den vortrefflichen Teil eins.


©Sony Pictures Animation
BEWERTUNG: 05/10
Titel: Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen
Produktionsland: USA
FSK: ab 6 Jahren freigegeben
Regisseur: Kris Pearn, Cody Cameron
Sprecher: Cindy aus Marzahn, Palina Rojinski, Ilka Bessin











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