Freitag, 4. Oktober 2013

Allein im Nichts mit George Clooney und Sandra Bullock - Gravity!


©Warner Bros.



Die Kamera steht still. In ca. 600 Kilometern Höhe ist sie auf die Erde ausgerichtet. Langsam kommt ein kleiner weißer Fleck ins Bild. Er wird größer und größer, bis der Zuschauer Umrisse eines Space Shuttles erkennen kann. Dort arbeiten gerade drei Astronauten in höchster Konzentration in Schwerelosigkeit. Nun setzt sich auch die Kamera in Bewegung, beleuchtet das Geschehen von allen Seiten, schwenkt zur Vorderseite, fährt zurück und um die „Explorer“ herum. Gebannt folgt der Zuschauer mit den Augen, sieht sich formaler Perfektion ausgesetzt. 

Schon der Beginn von „Gravity“ ist ein audiovisueller Genuss. Regisseur Alfonso Cuaron treibt seinen Stil auf die Spitze, füttert seine Fans mit fantastischen Plansequenzen, auf den Punkt choreographierten Kamerafahrten und lässt alles so spielerisch leicht aussehen, dass es eine helle Freude ist. Jemand sagte einmal sinngemäß: „ Je leichter sich etwas lesen lässt, desto schwerer fiel dem Autoren das Schreiben.“ 

So in etwa kann das auch auf Cuarons Job übertragen werden. „Gravity“ ist in seiner Inszenierung ein Freudenfest, das Seinesgleichen sucht. Jede Einstellung wohlüberlegt, jeder Handgriff der Schauspieler aufs Genaueste getimed. Einen solchen Perfektionismus durfte der Zuschauer zuletzt in Park Chan-Wooks „Stoker“ begutachten.

Die Spekulationen vor Kinostart reichten weit. Viele sahen in diesem Projekt ein neues „2001 – Odyssee in den Weltraum“. „Gravity“ solle philosophisch sein, sich Gedanken über den Werdegang der Menschheit machen und den Rezipienten so zum Nachdenken anregen. Nun, diejenigen werden sicherlich enttäuscht sein. 

©Warner Bros.

In seinen knapp 90 Minuten entfacht Alfonso Cuaron ein Testosteron-Feuerwerk, das die Handflächen vor Spannung schwitzig werden lässt und den Betrachter vor lauter Bildgewalt in den Sessel drücken wird. Wirklich tiefgründig ist an „Gravity“ gar nichts, viel mehr legt er sein Augenmerk allein auf den Überlebenskampf in den endlosen Weiten des Weltalls. Der Zuschauer bangt um das Schicksal Sandra Bullocks und George Clooneys, zittert mit und fühlt sich der immer neuen Stolpersteine auf dem Weg zum Überleben fast schon hilflos ausgesetzt. So gesehen ist der Film ein einziger Höllenritt, der nie auf die Pause-Taste drückt und stets in die Vollen geht. Natürlich gibt es auch ruhige, wunderschöne Momente, die den Schrecken im All noch deutlicher darstellen. So sieht Bullock gerade dem Tod in die Augen, während Kameramann Emmanuel Lubezki gleichzeitig die Polarlichter auf der Erde ins rechte Bild rückt. Schönheit und Schrecken gepaart in einem Bild – das ist die größte Stärke von „Gravity“. So gefährlich die Situation auch ist, stets stellt Cuaron die Faszination des Weltraums graphisch äußerst wirkungsvoll dar. Der blaue Planet sah auf der großen Leinwand noch nie so schön aus, während der Weltraum selbst noch nie zuvor eine dermaßen abschreckende Leere besaß. Zukünftige Astronauten sollten um diesen Katastrophen-Film einen weiten Bogen machen. 

Darstellerisch gibt es nichts negatives zu vermerken. George Clooney gibt mal wieder den coolen Anführer, was ihm natürlich nicht schwer fällt. Einiges mehr zu tun hat da schon Sandra Bullock, dessen Engagement für Viele abschreckend wirkt. Euch sei gesagt: Sie ist fantastisch. Schon lange nicht mehr hat man mit einem Charakter derart mitgefiebert, gebangt und gehofft wie für sie. In den ohnehin wenigen Dialogszenen, wird ihre Figur klar umrissen. Auch wenn sämtliche Protagonisten selbstverständlich nicht allzu viel Tiefe aufweisen. Absolut glaubwürdig verhält sie sich allerdings in diesem Worst-Case-Szenario, das Herz macht einen Sprung, sobald sie wieder einmal um ihr Leben fürchten muss. Als kleiner Gag stellt sich im Grunde das Engagement von Ed Harris heraus. Er ist die Stimme Houstons, zu Beginn der Mission. Das ist in dem Sinne ein kleiner Fingerzeig, da er in „Apollo 13“ schon einmal als Chef der Mission Control eine schief gelaufene Mission wieder auf richtigen Kurs bringen musste. 

©Warner Bros.

Zuschauer, die auf eine tiefgründige Story gehofft haben, müssen leider vertröstet werden. Das hatte Cuaron augenscheinlich nie im Sinn. Was er wollte, ist eine turbulente Achterbahnfahrt, die sein Publikum über die gesamte Laufzeit nicht wieder los lässt. Das ist ihm – so viel sei versichert – in jedem Fall gelungen. Viel intensiver kann Kino einfach nicht mehr werden. „Gravity“ sollte unbedingt im Kino genossen werden, da sich seine ganze Pracht nur dort offenbart. Auch der 3D-Effekt wird gewinnbringend verwendet und fügt der sowieso schon beängstigenden Prämisse ein weiteres funktionierendes Stilmittel hinzu. 

Also rein ins Kino und an diesem Ritt teilnehmen. Denn kalt lassen wird er euch mit Sicherheit nicht!

©Warner Bros.
BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Gravity
Genre: Science Fiction
Regisseur: Alfonso Cuaron
Darsteller: George Clooney, Sandra Bullock, Ed Harris





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