Donnerstag, 26. September 2013

Zwischen Sex und Gewalt - Vampire im Süden Amerikas/ True Blood Staffel 1



©HBO

Dank „Twilight“ entfachte ein wahrer Hype rund um Vampire und sämtlichen Wesen der Nacht. Sie waren plötzlich überall. In Filmen, Büchern, Comics und schlussendlich sogar Serien. 

Ausgerechnet Serien-Urgestein HBO sprang auf den Zug der Blutsauger-Verfilmungen auf und erlebte mit „True Blood“ eine bislang ungebrochene Erfolgsgeschichte. 

Nun ist es aber so, dass - speziell sobald das Label HBO zum Einsatz kommt – Serien vorzeitig in den Himmel gelobt werden. Auch „True Blood“ erhielt hervorragende Kritiken. Doch kann sie bzw. Staffel 1 dieses Versprechen höchster Qualität auch einlösen?
Nun, nicht ganz. 

Die Ausgangslage der Serie ist dabei hochinteressant. Angesiedelt im tiefsten Süden Amerikas, inmitten all der Rednecks und Hillbillys muss sich Hauptfigur Sookie Stackhouse mit dem Aufkommen von Vampiren in der Öffentlichkeit arrangieren. 

Im verschlafenen Städtchen Bon Temps sind die Blut trinkenden Vampire allerdings nicht gänzlich willkommen. Hierbei funktioniert „True Blood“ hervorragend als Kommentar auf die Situation der homosexuellen Minderheit im dortigen Milieu. Natürlich kann das Werk von Showrunner Alan Ball auch als Verweis auf die Rassendiskriminierung verstanden werden. Interpretationsmöglichkeiten eröffnen sich angesichts des Looks der Serie zuhauf, was durchaus positiv zu verstehen ist. Immerhin wird schon im berühmten Vorspann die Westboro Baptist Church mit ihrem berühmten Banner „God hates fags“(-> God hates fangs!) auf amüsante Art und Weise zitiert. Die Angst der Menschen vor Neuem, Ungewohntem wird mithilfe der Einwohner von Bon Temps demnach gut eingefangen. Die Vampire sind Außenseiter, die zwar schon seit jeher koexistieren, jedoch jetzt erst an die Öffentlichkeit gegangen sind.

Schicksalshafte Begegnung: Sookie (Anna Paquin) und Bill (Stephen Moyer)©HBO

Ehrlicherweise wird aus der spannenden Prämisse zunächst wenig herausgeholt.
Viel mehr beschränkt sich die Serie auf das Verhältnis zwischen Sookie Stackhouse und dem Vampir Bill Compton. Zwischen ihnen entwickelt sich eine (nicht gerade) zärtliche Romanze, die zum Leidwesen der Zuschauer gespickt ist mit fürchterlichen Dialogen und fast schon unfreiwillig komischen Szenen. Hier erleidet „True Blood“ beinahe Schiffbruch. Die ersten Folgen sind größtenteils einfach nicht sehr zugänglich. 

Schwer genug, dass mit Sookie Stackhouse – im Übrigen gespielt von Oscargewinnerin Anna Paquin – einer der nervigsten Serien-Hauptcharaktere überhaupt geschrieben wurde. Auch um die Nebendarsteller ist es nicht gerade gut bestellt. So löst ihre beste Freundin Tara (Rutina Wesley) mit ihren Komplexen ihre Hautfarbe betreffend, ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch Augenrollen beim Rezipienten aus. Stephen Moyer als Vampir erwischt es dabei noch am Besten, schließlich kann er seiner Rolle ein wenig spröden Humor abverlangen. 

Auf der Habenseite verbucht „True Blood“ allerdings einen unterhaltsamen Ryan Kwanten als Sookies Bruder Jason und Taras Cousin Lafayette(Nelsan Ellis), der mit seinen übertrieben homosexuellen Anspielungen stets für einen Lacher gut ist. Beide stehlen den Hauptfiguren regelmäßig die Show. 

Handwerklich weißt „True Blood“ - vor allem zu Beginn – deutliche Defizite auf. Das fängt mit offensichtlich gestellten Schlägereien an und hört mit unfreiwillig komischem Verhalten der Vampire auf.

Mit Vampiren ist nicht zu spaßen! ©HBO

Mit fortschreitender Laufzeit weiß die Serie allerdings endlich gehörig anzuziehen. Die Hauptstory rund um einen verrückten Vampir-Killer nimmt an Fahrt auf und auch die Lebensumstände der Vampire werden in den Vordergrund gerückt. Sookie zieht es immer tiefer hinein in diese ihr fremde Welt und der Zuschauer hat seinen Spaß daran. Mit Auftreten des großartigen Alexander Skarsgard in der Rolle des Vampir-Oberhauptes Eric Northman kommt noch einmal deutlich Schwung in das Geschehen. Glücklicherweise wird seine Figur in kommenden Staffeln noch deutlich ausgebaut.
Was in „True Blood“ genauso viel Raum einnimmt wie storyrelevante Details, sind die Sexszenen. „True Blood“ dürfte wohl die HBO-Serie mit dem höchsten Sex-Anteil darstellen. Seien es Menschen oder Vampire – alle dürfen mal ran. Das hat insofern seinen Reiz, da das Wesen des Vampirs stets auf der Suche nach Liebe und Leidenschaft war bzw. ist. Schon „Dracula“ stellt dabei eine traurige Figur dar und so verhält es sich auch in „True Blood“. Trotz des ewigen Lebens fällt es Vampiren schwer, Bindungen einzugehen. Sie sind von Leidenschaft erfüllt – fast zerfressen – und sehen darin ihren Lebensinhalt. Die Jagd nach dem roten Lebenssaft ist ein stetiger Kreislauf aus Verlangen und Hunger. Eigenschaften, die problemlos auch auf die Sexualität angewandt werden können. 

Doch wird diese Tragik in Staffel 1 maximal angerissen. Die Serie legt ihr Augenmerk viel mehr auf die Oberfläche. Es wird gevögelt, gestorben und Haut gezeigt. Viel Tiefe entwickelt sich dabei (noch) nicht. So ist die erste Staffel keinesfalls eine runde Sache. Sie hat einige bemerkenswerte Ansätze, viele, vor allem in den Nebenfiguren, interessante Charaktere und bietet mächtig Potenzial.
Im Großen und Ganzen unterhalten die ersten 13 Folgen den Zuschauer, obwohl anfangs ein wenig Geduld erforderlich ist. Eine Steigerung ist konstant feststellbar und eines kann versichert werden: Staffel 2 ist noch einmal ein qualitativer Sprung nach oben.


Die Kritik zu Staffel 2 findet ihr hier!

©HBO
BEWERTUNG: 06/10
Titel: True Blood Staffel 1
Genre: Horror, Drama, Komödie
FSK: ab 16 freigeben
Produzent: Allan Ball
Darsteller: Anna Paquin, Stephen Moyer, Alexander Skarsgaard, Sam Trammell, Nelsan Ellis, Ryan Kwanten, Rutina Wesley






Kommentare:

  1. Ich kann mit der Serie sogar nichts anfangen, auch wenn mich der Titelsong überzeugt.

    AntwortenLöschen
  2. Kann ich auch verstehen. Für mich wurde es dann Gott sei Dank besser. Bin gerade bei Staffel 3 und die ist tatsächlich um Längen besser.

    AntwortenLöschen