Mittwoch, 4. September 2013

Wenn schlechtes Marketing und dubiose Produktionsgeschichte den eigentlichen Film in den Schatten stellen - Lone Ranger


©Disney



Kurz nach Kinostart ließen die Verantwortlichen um Produzent Bruckheimer und Co verlauten, wer für die schlechten Einnahmen von „Lone Ranger“ an den Pranger zu stellen sei. 

Die amerikanischen Kritiker hätten ihre Texte schon vor Ansehen des Films geschrieben, sie hätten sich angeblich allesamt auf das große Budget von 250 Millionen Dollar gestürzt und den „Lone Ranger“ schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. 

Für diese Aussagen ernteten sie Hohn und Spott auf der gesamten Welt, immerhin können sämtliche professionelle Kritiker nicht irren. 

Jetzt, ein paar Wochen später, muss dem kreativen Team doch in Teilen zugestimmt werden. Seltsamerweise verbesserten sich die Kritiken nach offiziellem Start, doch der Schaden war angerichtet. Für den Konzern Disney bedeutet „Lone Ranger“ ein Millionengrab, auch wenn er langsam aber sicher dank der ausländischen Kundschaft über die 250 Millionen-Marke kommt. Nun, er ist sicher nicht in dem Maße originell, wie Bruckheimer immer wieder betont. Zwar ist er (bislang) nicht Teil eines Franchises, doch basiert der Film auf einer populären Serie aus den 60ern, womit an „Lone Ranger“ nichts neu ist. 

Geraten ständig in Schwierigkeiten: Tonto(Johnny Depp) und der Lone Ranger(Armie Hammer)!©Disney

Nichtsdestotrotz unterhält der Film durch die Bank weg. Sicherlich bahnt sich während seiner beachtlichen Laufzeit von 150 Minuten schon mal die eine oder andere Länge an, aber das ist zu verschmerzen. Im Grunde bietet Gore Verbinskis neuester Film gelungene Popcorn-Unterhaltung, die sich nicht scheut auch mal gemein zu werden. Worauf sich Verbinski versteht, ist es, großartige Action Pieces mit gelungener Situationskomik zu verbinden. Dem förderlich ist die stimmende Chemie zwischen Johnny Depp in der Rolle des Indianers Tonto und des maskierten Rächers Armie Hammer alias Lone Ranger. Depp, hier sind sich wahrscheinlich alle einig, spult dabei seine x-te Variante des verrückten Außenseiters ab. Statt Piratenkostüm zieht er dieses mal nur einen toten, schwarzen Raben über den Kopf. Abnutzungserscheinungen gibt es allerdings nur selten, da gerade das Zusammenspiel mit seinem Co-Star für einige Lacher sorgt. Hammer ist nach all den Enttäuschungen der letzten Jahre - in Bezug auf einen neuen Leading Man - eine Wohltat. Überhaupt nicht blass oder ausdruckslos verleiht er seiner Figur ein Gesicht, wobei ihm sein Hang zur Selbstironie gut zu Gesicht steht. Da können sich all die Taylor Lautners oder Taylor Kitsch' dieser Welt noch eine Scheibe von abschneiden. 

Wie so oft, sind es jedoch die Bösewichte, die „Lone Ranger“ erst richtig interessant wirken lassen. So durfte der Zuschauer William Fichtner noch nie so bösartig auf der Kinoleinwand bestaunen. Als kannibalistisch veranlagter Out Law Butch Cassidy ist es an ihm, immer wieder für ein wenig Grausamkeit und Düsternis in Verbinskis Western-Hommage zu sorgen. Generell eher ein Mann der zweiten Garde Hollywoods, ist er doch ein viel beschäftigter Mann, der einmal mehr sein Können unter Beweis stellt. Auch Tom Wilkinson ist als Inbegriff des Kapitalismus wunderbar eingesetzt. Einzig und allein Ruth Wilson als klassische Damsel in Distress fällt etwas ab, kann sie leider in keinster Weise etwas aus ihrer simplen Rolle herausholen.

Fairerweise muss gesagt werden, dass „Lone Ranger“ teils doch sehr an die Fluch der Karibik-Reihe erinnert, sie hin und wieder sogar augenzwinkernd rezitiert. Seien es Nebenfiguren, Hauptfiguren oder so mancher Story-Arc. Eine differenzierte Darstellung der Indianer und der damaligen Situation des wilden Westens ist auch nicht zu erwarten, was dem Film auch nicht vorzuwerfen ist. Er will lediglich 2,5 Stunden gute Unterhaltung bieten und das schafft er mühelos. 

Hat Böses im Sinn: Butch Cassidy(William Fichtner) ©Disney
Verbinski weiß mit dem voluminösen Budget gut umzugehen. Die Action ist stets sehr schick anzusehen, die Stunts sind phänomenal. Auch die waghalsigen Kamerafahrten sind ein Genuss, wodurch die Landschaft und Umgebung, genau wie Sets und Kostüme, voll zur Geltung kommen. „Lone Ranger“ ist ein audiovisueller Freudentanz, denn alles sitzt dort, wo es sein muss. Sogar Hans Zimmer, der zuletzt allzu tief in seinen dröhnenden Bässen versank, läuft mit seinem Score zur Höchstform auf und ist in Verbindung mit Verbinskis Gespür für große Bilder der Grund für aufkommende Spannung und Dramatik. 

„Lone Ranger“ ist in gleichem Maße düster, wie witzig, schlägt hin und wieder aber ein wenig über die Stränge. Das tut dem Spaß jedoch keinen Abbruch, schließlich gibt es genug zu staunen. Der Zuschauer sollte sich nur nicht von den allzu negativ ausgefallenen Kritiken beeinflussen lassen. „Lone Ranger“ macht Spaß. Nough Said. 


©Disney
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: The Lone Ranger
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Gore Verbinski
Schauspieler: Johnny Depp, Armie Hammer, William Fichtner, Ruth Wilson, Tom Wilkinson, Berry Pepper, Helena Bonham Carter, James Badge Dale


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