Sonntag, 1. September 2013

Torchwood – Alien-Hatz im beschaulichen Cardiff / Season 1 & 2

©Polyband


Torchwood: outside the government, beyond the police. Tracking down alien life on Earth, arming the human race against the future. The twenty-first century is when everything changes. And you gotta be ready.“

Im Jahre 2005 gelang es Russell T. Davies die britische Erfolgsserie „Doctor Who“ formidabel weiterzuführen. In Staffel 1 führte er sodann die Figur des Captain Jack Harkness ein, der aufgrund seiner flapsigen Sprüche und einigem Charisma derart viel Fanliebe für sich vereinnahmte, dass ihm ein eigenes Spin Off gegönnt wurde. „Torchwood“ heißt dieser Ableger und sein Name ist ein Anagram aus „Dr. Who“. Aus Sicherheitsgründen wurden nämlich die Drehbücher des Doctors früher unter dem Namen Torchwood weitergereicht. Damit nicht genug, wurde in einigen spektakulären Folgen des außerirdischen Exzentrikers eine Organisation mit selbigem Namen eingeführt.

Was unterscheidet denn nun den Ableger von der Originalserie? Auch „Torchwood“ verschreibt sich dem Kampf gegen außerirdisches Vigilantentum, versucht, die Welt so oft es geht vor dem Abgrund zu bewahren und nutzt dazu das eine oder andere mal Alientechnologie.So weit, so bekannt.

Was jedoch neu ist, ist der düstere und durchaus brutale Ton, der die gesamte Serie durchzieht. „Dr. Who“ gilt allgemein als Familienunterhaltung. Natürlich wird gestorben, gekämpft und gezittert, jedoch verläuft das Geschehen immer im Rahmen des klassischen PG 13. „Torchwood“ geht allerdings noch ganze zwei Schritte weiter und lässt in Sachen Brutalität und Sexualität so einiges vom Stapel. Seien es blutige Auseinandersetzungen oder sogar homosexuelle Beziehungen. „Torchwood“ traut sich einiges und richtet sich somit an ein wesentlich älteres Publikum. Die wichtige Frage, die sich nun aufdrängt, ist Folgende: Kann sich „Torchwood“ emanzipieren? Für sich alleine stehen? Die Antwort findet sich in den folgenden Zeilen, natürlich spoilerfrei.

Das gesamte Team im Überblick von links: Ianto Jones, Gwen Cooper, Capt. Jack Harkness, Toshiko Sato und Owen Harper ©Polyband
Staffel 1:
Als eingefleischter Dr. Who – Fan, wird es eine Weile dauern, bis sich geneigter Zuschauer an den komplett veränderten Stil gewöhnt hat. Statt einiger witziger Gags, geht es in „Torchwood“ überaus düster zugange. Die Morde sind brutal, die Stimmung oftmals gedrückt. Das dürfte vor allem in den ersten beiden Folgen für große Überraschung sorgen.

Der einzige Anhaltspunkt ist John Barrowman in der Rolle des erzsympathischen Captain Jack Harkness. Seine geheimnisumwitterte Figur ist der Kopf eines kleinen Teams, das mitten im verschlafenen Städtchen Cardiff außerirdische Lebensformen aufs Korn nimmt. Showrunner Russell T. Davies, der schon „Dr. Who“ äußerst gelungen bis Staffel 4 führte, bedient sich dabei Joss Whedons' bewährter Prämisse des Höllenschlunds bzw. Riss im Raum-Zeit-Gefüge um dem Zuschauer ein Monster of the week vorzuführen. Harkness zur Seite steht die zweite Hauptfigur Gwen Cooper, die mehr durch Zufall in die Welt der fremden Rassen purzelt. Sie ist auch der emotionale Dreh- und Angelpunkt der 1. Staffel. Ihrer Entwicklung wird die meiste Sendezeit zugesprochen, was sich gegen Ende äußerst bewährt. Das Team wird komplettiert von den zwei Wissenschaftlern Toshiko Sato und Owen Harper, sowie Ianto Jones, der das Mädchen für alles darstellt.

Gwen Cooper ist in Staffel 1 der Fixpunkt der Serie ©Polyband
Die Staffel leidet vor allem in den ersten Folgen an extrem niedrigem Budget, dass sich häufig bemerkbar macht. So wirken einzelne Aspekte ungemein trashig, was dem Spaß doch ein wenig entgegenwirkt. Auch das Verhalten der Spezialeinheit ist teilweise peinlich und unrealistisch. Dilettantisches Vorgehen während einer Operation, das Stürmen bzw. Sichern eines Hauses – das Team wirkt stets äußerst unprofessionell, sodass es schwer fällt, in ihnen das beste Einsatzkommando der britischen Insel zu sehen. Schade ist auch, dass komplett auf einen roten Faden verzichtet wurde. Harkness und Co kämpfen sich von Woche zu Woche durch unterschiedliche Szenarien, wodurch der Spannungsbogen merklich leidet. Vor allem zu Beginn schleichen sich nämlich mitunter ziemlich schwache Storys mit ein.

Gott sei Dank ändert sich dies aber mit fortschreitender Episodenanzahl. Den Figuren wird endlich mehr Tiefe verliehen, ihr Verhalten ist nicht mehr gänzlich amateurhaft und auch die einzelnen Geschichten ziehen merklich an. „Torchwood“ beginnt tatsächlich Spaß zu machen, schöpft in seinen Möglichkeiten aber (noch) nicht aus dem Vollen. Das komplizierte Geflecht aus Beziehungen wird ebenso durchleuchtet, wie die Figur des Jack Harkness. Die Serie verlässt zunehmend den Bereich der Oberflächlichkeit und wendet sich grundlegenden Problemen wie Rechte des Einzelnen, Liebe, Verlust und den daraus resultierenden Entscheidungen zu. Die Figuren müssen für ihre aus nachvollziehbaren Gründen eingeschlagenen Wege gerade stehen, was jedem Charakter ambivalente Züge verleiht. Hinzu kommen noch einzelne Verweise auf die Ursprungsserie – ein Lächeln der Fans eines gewissen Doctors ist garantiert. Die 1. Staffel von „Torchwood“ beginnt erschreckend schwach, steigert sich glücklicherweise ab der Hälfte und beschließt mit einem Crescendo bzw. einer Doppelfolge, die sich gewaschen hat. So kann das Experiment doch noch als geglückt bezeichnet werden und eines versichert werden: Es wird stetig besser!

                                                     BEWERTUNG STAFFEL 1: 7/10

Staffel 2:
Die zweite Staffel der Spin Off-Serie „Torchwood“ macht dort weiter, wo sie zuvor aufhörte. Das Niveau wird stetig gesteigert, den Figuren wird mehr Tiefe verliehen und mehrere Gaststars sorgen für mächtig gute Laune. Schon der Einstieg ist überaus gelungen. Fans der Serie „Buffy – The Vampire Slayer“ werden sich ein Lachen nicht verkneifen können: James Marsters, einstmals als Vampir Spike unterwegs, gibt sich tatsächlich die Ehre und spielt im Grunde dieselbe Rolle, wie damals in Whedons Serie. Er sorgt auch für den roten Faden der Staffel. Denn endlich gibt es nicht nur die Monster of the week-Episode, sondern einen (einigermaßen) durchgehenden Spannungsbogen. Nun ja, so ganz ist das nicht richtig. Es handelt sich eher um eine rote gestrichelte Linie, denn einen Faden. Wenigstens gibt es aber ein Thema, das immer mal wieder aufgegriffen wird und in einem Finale gipfelt, das auch den letzten Zweifler bei den Eiern hat.

Nicht nur inhaltlich weist die Fortsetzung deutliche Verbesserungen auf. Auch formal hat sich einiges getan. Die Effekte sind nicht mehr ganz so trashig und können sich sehen lassen. Auch Kamera und Schnitt wurden überarbeitet, „Torchwood“ sah noch nie so gut aus.

Die sogenannten Weavel sind noch die harmloseren Gegner des Teams! ©Polyband
Eine weitere Besonderheit ist die Figurenkonstellation. War Staffel eins noch mehr oder weniger auf Gwen als Neuzugang der Truppe fokussiert, steht nun jedes Team-Mitglied im Mittelpunkt. Aus ein, zwei Hauptcharakteren, entwickelt sich eine gesamte Truppe, die allesamt dieselbe Screentime spendiert bekommen. Vor allem die Rolle des Owen Harper (Burn Gorman aus „Pacific Rim“) wird deutlich ausgebaut, bekommt er doch einen ganzen Dreiteiler gewidmet. Seine Beziehung zu Kollegin Tashiko Sato wird im gleichen Maße vertieft, was im Finale für einige dramatische Momente sorgt. Auch die komplizierte Partnerschaft zwischen Gwen und ihrem Verlobten entwickelt sich anders als gedacht. Das eigentliche Zugpferd der Serie, namentlich Captain Jack Harkness, hat da fast schon keinen Platz mehr. Aber nur fast, denn endlich erfährt der Zuschauer etwas über seine mysteriöse Vergangenheit, seine Taten und was ihn schlussendlich nach Torchwood geführt hat. „Torchwood“ ist eigentlich stets dann am Stärksten, wenn es sich seinen Figuren und den Beziehungen untereinander widmet. Seien es Gwen und ihr Hochzeitspläne, das On and Off zwischen Sato und Harper, oder die Affäre zwischen Ianto Jones und Harkness.

Die komplizierten Beziehungen der Teammitglieder sorgen immer wieder für extreme Situationen! ©Polyband
Ein weiterer Pluspunkt ist das Verhalten der Spezialeinheit während ihrer Einsätze. Hat dies noch in Staffel 1 für verzweifeltes Kopfschütteln gesorgt, ist so mancher Diletantismus zur Seltenheit degradiert worden. Endlich kann der Zuschauer die Truppe ernst nehmen und muss sich nicht wundern, wie die Erde noch stehen kann, wenn die Besten der Besten derart dämlich vorgehen. Präsentiert wird dies von Showrunner Russell T. Davies in absolut großartigen 13 Episoden, in denen selbst die Lückenfüller interessant und abwechslungsreich gestaltet sind.

Dazu gesellen sich noch einige, schöne Verweise auf „Doctor Who“, nicht zuletzt wegen dem Auftauchen eines früheren Compagnion des Doctors. Die zweite Staffel von „Torchwood“ ist seinem Vorgänger demnach in sämtlichen Belangen überlegen. Dramatik, Spannung, Gefühle – all das ist vorhanden. So darf es gerne weitergehen.

                                                     BEWERTUNG STAFFEL 2: 8,5/10



Kritik zu Staffel 3 (Children of Earth) findet ihr hier.
Kritik zu Staffel 4 (Miracle Day) findet ihr hier.


©Polyband
Titel: Torchwood
Genre: Science Fiction
FSK: ab 16 freigegeben
Produzent: Russell T. Davies
Darsteller: John Barrowman, Burn Gorman, Eve Myles, Gareth David-Lloyds

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