Montag, 9. September 2013

Spotlight on: Prince Avalanche - Paul Rudd und Emile Hirsch auf der (unfreiwilligen) Suche nach dem Sinn des Lebens/Sneak-Ausgabe #4

©Kool Filmdistribution



David Gordon Green ist im Grunde ein sehr interessanter Regisseur. Angefangen im Indie-Bereich, durch den er schnell Bekanntheit erlangte, kämpfte er sich die folgenden Jahre durch eine Vielzahl an größeren Produktionen, jedoch ständig unter Überwachung durch ein Major-Studio. Dies gefiel ihm in keinster Weise, wodurch es nicht gerade verwundert, dass seine jüngsten Arbeiten a la „Your Highness“ oder „Bad Sitter“ nicht gerade überschwänglich gefeiert wurden. 

Nun suchte dieser Mann nach etwas Neuem, etwas, das ihn fort von all dem bringen würde. Fort von dem Monster Hollywood. Er fand dieses unbestimmte Gefühl in einer kleinen, unscheinbaren isländischen Produktion namens „Either Way“. Hierin sah er eine Chance, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und unter dem Radar ohne jeglichen Druck zu drehen. Fortan engagierte er seine Kumpels Paul Rudd und Emile Hirsch komplett gegen den Strich. Rudd, der sonst immer den sympathischen Looser in Komödien spielt, ist nun in seiner bisher anspruchsvollsten Rolle zu sehen und Hirsch, der sonst immer auf ernste Rollen gebucht zu sein scheint, wird zum draufgängerischen Witzbold. Belohnt wurde all das mit dem silbernen Bären für die beste Regie auf der Berlinale.

Doch um was geht es denn nun in „Prince Avalanche“?

Nun, einen roten Faden wird der Zuschauer vergeblich suchen. Im Grunde stehen zwei völlig unterschiedlich veranlagte Menschen im Mittelpunkt, die mit sich und ihrem Leben in der Wildnis klar kommen müssen. Das Einzige, dass sie zu tun pflegen, ist es, die Straßenmarkierungen irgendwo im Nirgendwo aufzuzeichnen und sich mit der aufkommenden Langeweile zu arrangieren. 

Der wohl spannendste Job auf dieser Welt: Siehe Bild oben! ©Kool Filmdistribution
Dies führt natürlich zu allerlei Selbstfindung, denn vor allem Rudds Charakter befindet sich in einer Sinn- und Lebenskrise. Die stimmende Chemie zwischen ihm und Hirsch ist es zu verdanken, dass der Zuschauer nicht nach kurzer Zeit komplett abschaltet. In seinen besten Momenten fühlt sich „Prince Avalanche“ wie eine Reise in das Innenleben zweier einsamen Seelen an, die – trotz ihrer Unterschiede – Freunde werden und sich im Grunde zwingend brauchen. 

Gordon Green findet während ihrer Odyssee durch den Wald Bilder von erlesener Schönheit, generell ist der Film wunderschön fotografiert und inszeniert. Auf minimalistische Art und Weise versteht es Green ein melancholisches Gefühl im Zuschauer auszulösen. Obwohl im Grunde wenig bis nichts passiert, wird der Rezipient immer wieder aufgefangen. Sei es durch leise, tragikomische Momente, glaubwürdige Dialoge zwischen dem skurrilen Buddy-Pärchen oder der ruhigen Eleganz, die die elegischen Kamerafahrten ausstrahlen. 

Doch sollen die negativen Aspekte nicht verschwiegen werden. 

Wer sich nicht in der richtigen Verfassung befindet, sollte von „Prince Avalanche“ die Finger lassen. Der Zuschauer muss sich zwingend auf die gefasste und vor allem minimalistische Art der Inszenierung einlassen und auch mal hinnehmen, dass 90 Minuten wenig auf der Leinwand von statten geht. Natürlich ist es auch eine Frage der Identifizierung mit den Figuren. Da vor allem Paul Rudd als Fixpunkt zur Orientierung dient, ist es seine Figur, mit der der Zuschauer mitfühlen soll. Hier ist anzumerken, dass das dem älteren Semester deutlich leichter fallen wird. Nicht, weil „Prince Avalanche“ eigentlich ein Film für ein Publikum im fortgeschrittenen Alter ist, sondern, weil sich die Probleme Rudds und der Grund für seine Flucht vor der Realität dem jungen Betrachter nicht leicht erschließen. Es heißt nicht umsonst Midlife Crisis. 

Was kann man schon tun, wenn man eine Woche im Nirgendwo verbringen muss...©Kool Filmdistribution

Hinzu kommt die leicht mystische Note, die durch ein paar wenige Nebenfiguren eingeflochten wird. Da Green wenig daran liegt, dies auch zu erklären, könnte sich so mancher vor den Kopf gestoßen fühlen. 

Sei es wie es sei, „Prince Avalanche“ ist die Sorte Film, die während dem zweiten mal Betrachten am Zuschauer wächst und der, sagt er zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu, in ein paar Jahren vielleicht noch einmal zu Rate gezogen werden sollte. Schließlich hat jeder eine zweite Chance verdient.

©Kool Filmdistribution
BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Prince Avalanche
Kinostart: 12.09.2013
Produktionsland: USA
Genre: Drama, Tragikomödie
Regisseur: David Gordon Green
Darsteller: Emile Hirsch, Paul Rudd, Lance LeGault, Joyce Payne

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