Dienstag, 17. September 2013

Serienüberraschung 2013: Banshee - Small Town. Big Secrets./Staffel 1


©Cinemax



Aller Augen in der Film- und Fernsehwelt sind stets auf die Großen ihrer Zunft gerichtet. Jeder blickt begierig auf Produktionen der Marke HBO, AMC, StarZ und Konsorten. Deren Ergüsse werden sofort verschlungen, rezensiert und verwertet. Hat allerdings jemand schon mal von der Produktionsfirma Cinemax gehört? Nein? Nun, dafür muss sich niemand schämen. 

Sie ist zwar ihres Zeichens eine Tochterfirma der großartigen HBO, agiert aber weitestgehend unabhängig. In Eigenproduktion erblickte nun eine Serie mit dem Namen „Banshee – Small Town. Big Secrets.“ das Licht der Fernsehwelt. 

Niemand hat wirklich mit ihr gerechnet, was sicherlich einiges dazu beigetragen hat, dass „Banshee“ ohne Zweifel zu einer der Serienüberraschungen des Jahres gezählt werden darf. In handelsüblichen 10 knackigen Episoden wird das Leben des Ex-Sträflings Oliver Hood beleuchtet, der durch Zufall zum Sheriff der Kleinstadt Banshee ernannt wird und sich nunmehr mit Gangstern und seiner zwielichtigen Vergangenheit herumschlagen muss. Da ist es nicht gerade förderlich, dass er vom Leben als Cop nicht die leiseste Ahnung hat und seine Kollegen sich über sein unprofessionelles Verhalten immer mehr wundern. Ein Gangsterboss, der seine Finger überall im Spiel zu haben scheint, erschwert ihm das Leben zusätzlich. Zu allem Übel gibt es natürlich auch eine Frau, wegen der er überhaupt erst nach Banshee gekommen ist und die von ihm nichts mehr wissen will. Warum? Nun, das erfährt der Zuschauer recht bald auf unschöne Art und Weise. 

Eines ist sicher: Schon lange nicht mehr fuhr eine Serie derart harte Geschütze auf, wie „Banshee – Small Town. Big Secrets“. In jeder Folge geht es zur Sache. Es wird geprügelt, gemordet und generell ist die Sterberate in dieser Kleinstadt unverhältnismäßig hoch. 

A new Sheriff is in town! ©Cinemax

Hat sich der Zuschauer erst einmal mit der etwas unwahrscheinlichen Prämisse angefreundet, steht dem Spaß nur noch wenig gegenüber. Unter den Augen des erfahrenen Produzenten Alan Ball („True Blood“) entspinnt sich ein zu weiten Teilen extrem spannender Genremix aus Gangsterfilm und Outlaw-Romantik. Die Serie geizt nicht mit brutalen Gewaltspitzen, die sogar während bloßem Ansehen Schmerzen verursachen. Doch handelt es sich bei „Banshee – Small Town. Big Secrets“ nicht um einen bloßen Gewaltporno. Neben den zahlreichen Keilereien zwischen den einzelnen Figuren wird auch viel Wert auf Charakterisierung gelegt. Hauptdarsteller Antony Starr gibt den Held wider Willen famos. Er mimt den harten Kerl, der aus Liebe zu seiner Frau zurückkehrt stets ein wenig angespannt. Immer ist er auf der Hut, nie kann er vollkommen abschalten. Bei Tag flüchtet er sich in physische Konfrontationen und bei Nacht sucht er Trost in den Armen schöner Frauen oder gibt sich seinen Albträumen hin. An dieser Stelle ist Vorsicht geboten. Macht „Banshee – Small Town. Big Secrets“ zu Beginn noch den Anschein, die expliziten Sexszenen zum reinen Selbstzweck zu verwenden, ändert sich diese Einstellung mit fortschreitender Laufzeit. Selbst das belanglose Love Interest bekommt einen tragischen Hintergrund spendiert, womit der Zuschauer keinesfalls gerechnet hat. Wenn es zum Sex kommt, dann nur um die einzelnen Figuren deutlicher zu zeichnen und ihnen Tiefe zu verleihen. Sämtliche Darsteller agieren dabei selbstverständlich extrem offenherzig.

Nun ist das aber ehrlich gesagt nicht die Hauptintention der Serie. Um sie völlig ernst nehmen zu können, passiert einfach zu viel in solch einer kleinen Stadt. Von oben erwähntem Gangsterboss, über rücksichtslose Casino-Besitzer, bis hin zu osteuropäischen Killer-Kommandos. Allerdings fährt die Serie mit dieser over the top-Einstellung extrem gut. Sie macht zu jederzeit Spaß, fördert das Adrenalin im Körper und ist obendrein noch sauber inszeniert. Die Action ist zeitweise phänomenal bebildert. Faustkämpfe haben eine Wucht dahinter, wie schon lange nicht mehr und Hoods Talent, jede Folge blutig geschlagen zu werden, entwickelt sich schon fast zu einem Running Gag.
Seien es wüste Schießereien, ruhige Momente oder auch witzige Oneliner. Alles sitzt dort, wo es eben sollte. 

Die Figuren selbst sind durch die Bank weg interessant. Nur Carrie Hopewell, der Grund für Hoods Rückkehr, ist ein wenig nervig. So kann sie sich nie wirklich entscheiden, ob sie will oder nicht. Ihre Charakterisierung erinnert ein wenig an das Gänseblümchen-Prinzip. Diese Folge sagt sie ja, die Nächste wieder nicht. Zum Ende hin entwickelt sie zudem fast übermenschliche Kräfte, da sie mehr aushält, als 10 Wrestler zusammen. Doch abgesehen davon gibt es nichts zu meckern. Als besonderes Schmankerl präsentiert sich hier Vorzeige-Däne Ulrich Thomsen als undurchschaubarer Gangsterboss. Ruhig, gefasst und doch stets zum Äußersten bereit. Der Zuschauer darf gespannt sein, wie sich das weiterentwickelt. Generell sind die Nebenfiguren ein großes Plus der Serie. Sei es der alternde Barbesitzer Sugar Bates oder der himmelschreiend komische homosexuelle Hacker Job. 

Hood ist ein Meister darin, sich in jeder Folge in neue Schwierigkeiten zu bringen! ©Cinemax
Interesse erlangt „Banshee“ nicht nur durch die Figuren, sondern auch durch sein Umfeld. Die Story ist nämlich in das Leben der Amish People, sowie der Indianer mit eingeflochten. Das verschafft der Serie ein Alleinstellungsmerkmal unter seinen Genre-Nachbarn, denn die unterschiedlichen Gepflogenheiten, sowie kulturellen Hindernisse aller Parteien ist nicht selten ein Thema. 

„Banshee – Small Town. Big Secrets“ ist – so viel muss gesagt werden – jedoch nicht wirklich intelligente Unterhaltung, bietet aber eine Vielzahl an interessanten Charakteren, eine spannende Story und einen hohen Body Count. Für Staffel 2 wurde eine Vielzahl an potentiell mitreißenden Konflikten offenbart und wenn die Serie in gleicher Art weiter macht, ist die Halbwertszeit von „Banshee – Small Town. Big Secrets.“ noch lange nicht überschritten.

©Cinemax
BEWERTUNG STAFFEL 1: 7,5/10
Titel: Banshee - Small Town. Big Secrets. 
Genre: Action, Drama
FSK: ab 18 freigegeben
Darsteller: Antony Starr, Ulrich Thomsen, Matt Servitto, Frankie Faison

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