Dienstag, 17. September 2013

Frische Idee im Zombie-Einerlei: "Eddie - The Sleepwalking Cannibal"!




Es scheint heutzutage, als hätte der Zuschauer schon alles gesehen. Vor allem im Bereich Horror, oder vielmehr dem Sub-Genre Zombie-Horror. 

George A. Romero installierte mit seinem Klassiker „Night Of The Living Dead“ eine vorher nur sporadisch bekannte Schreckensvision in den Köpfen der Mainstream-Zuschauer. Ab diesem Zeitpunkt erschien eine Welle an Zombie-Filmen, die jegliche Richtung auf der Skala Gut und Schlecht einschlugen. Mit Danny Boyle lernten die lebenden Toten zudem das Rennen und waren fortan Infizierte. Damit passte Boyle den Mythos Zombie perfekt dem aktuellen Zeitgeist an, denn heutzutage hetzen die Menschen von einem Punkt zum Nächsten und vergessen in der Tat zu leben. Was sonst könnte noch in diesem Genre erzählt werden? 

Ausgerechnet eine kleine kanadisch-schwedische Produktion namens „Eddie – The Sleepwalking Cannibal“ weiß dem Genre tatsächlich neue Facetten zuzufügen. 

Eddie ist auf der Jagd!
Lars Olafsen verschlägt es aufgrund einer Sinnkrise in das verschneite Kanada. Dort soll der einst gefeierte Maler eine Stelle als Lehrer an einer Kunstschule antreten. Dort angekommen wird er zusammen mit dem leicht zurückgebliebenen Eddie in ein Haus einquartiert. Was ihm niemand erzählt: Eddie wird in der Nacht zum Schlafwandler und frisst wilde Tiere auf. Zuerst ist Lars verständlicherweise besorgt, doch schon bald bemerkt er, wie Eddies nächtliche Ausflüge seine Kreativität beflügeln und er beginnt wieder zu malen... 

Nun, ein Künstler auf der Suche nach Inspiration ist schon immer ein leidiges Thema in jeglicher medialer Form gewesen. Doch Regisseur Boris Rodriguez geht noch ein Stück weiter und zeigt, welch verworrene Seelen, manche Künstler sein können. Olafsens Muse ist Blut, denn desto Schlimmeres Eddie anrichtet, desto besser werden seine Bilder. 

Hieraus könnte eine vortreffliche Satire entstehen, die sich mit der Schaffenskrise eines Malers beschäftigt und dies überaus überspitzt darstellt. Zu Teilen ist „Eddie – The Sleepwalking Cannibal“ auch genau das. Manche Situationen wirken – von der Prämisse einmal abgesehen – gar nicht so unwahrscheinlich. Wie Lars schlussendlich zum Komparsen wird und Eddie immer weiter antreibt, hat Charme und ist definitiv interessant mitanzusehen. Leider aber weiß der Film nicht immer sich zu entscheiden, was er denn jetzt eigentlich sein will. 

Da werden unbedeutende Nebencharaktere eingeführt, eine belanglose Liebesgeschichte mit eingeflochten und der Ton des Films schwankt auch merklich zwischen Komödie, Satire und ernstzunehmendem Drama. Das macht „Eddie – The Sleepwalking Cannibal“ zu einer Art Horror-Groteske, die nicht immer weiß was sie will und wie weit sie schlussendlich gehen soll.
Für eine Komödie fehlen allerdings die richtigen Lacher, für einen waschechten Horrorfilm ist das Gezeigte schlichtweg nicht gruselig genug und für ein Drama ist eine Identifikation mit den Charakteren schwer machbar. 

Lars bekommt plötzlich wieder Lust den Pinsel zu schwingen!

Klingt jetzt natürlich härter, als es eigentlich ist. „Eddie – The Sleepwalking Cannibal“ ist mitnichten ein schlechter Film. Er schöpft nur leider nicht aus dem Vollen und wirft dem Zuschauer zu viele nicht zusammenpassende Einzelteile hin. Dafür sorgen teils schwer nachvollziehbare Handlungen der Charaktere und die oben erwähnte Unentschlossenheit. 

Es ist sicherlich eine gute Idee, des Künstlers Suche nach dem Kuss der Muse in stark überhöhter Form zu verballhornen. Doch ein Einfall rechtfertigt noch keine 90 Minuten Film. Der Zuschauer hat stets das Gefühl, als würde „Eddie – The Sleepwalking Cannibal“ als Kurzfilm deutlich besser funktionieren. Auf das Wesentliche fokussiert und ohne schmückendes Beiwerk. So bleibt ein verheißungsvoller Auftakt, die eine oder andere witzige Szene, ein teils elegant inszenierter Blutrausch und eben das unbestimmte Gefühl, eine originelle Idee in einer dichten Packung aus Füllmaterial gesehen zu haben. 

Mit Sicherheit nicht schlecht, aber auch nicht das Optimum des Machbaren.

BEWERTUNG: 6/10
Titel: Eddie - The Sleepwalking Cannibal
Genre: Horror, Komödie, Satire
FSK: ab 16 freigegeben
Regisseur: Boris Rodriguez
Darsteller: Thure Lindhardt, Georgina Reilly, Dylan Smith, Alexis Maitland









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