Montag, 30. September 2013

Ein Remake jagt das Nächste im Horror-Genre - Evil Dead!


©Sony Pictures


Mit „Tanz der Teufel“ erschuf Sam Rami in den 80ern ein Sinnbild für Kreativität und Hingabe unter Berücksichtigung eines Nichts an Budget. Zusammen mit ein paar Freunden und unter desaströsen Bedingungen gedreht, entwickelte sich Teil 1 der Reihe zu einem absoluten Kultfilm, der auch heute noch nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Nun steht mit „Evil Dead“ eine Neuinterpretation des Stoffes an.
Unter Leitung des spanischen Regisseurs Fede Alvarez und mit Erstlingsregisseur Sam Raimi und ehemaligem Hauptdarsteller Bruce Campbell als Produzenten an Bord zieht es eine Bande Jugendlicher erneut in den schaurig -lüsternen Wald und die verlassene Hütte. Zeitlich ist „Evil Dead“ nach jeglichen zuvor verfilmten Geschehnissen angesiedelt und Alvarez spart nicht mit netten Reminiszenzen und Verweisen auf vergangene Großtaten. 

Schon der Beginn macht deutlich, dass der Fortführung des Tanzes deutlich mehr Budget zur Verfügung steht, als dem kultigen Vorgängerfilmchen. Die Bilder sind in ihren Grautönen absolut atmosphärisch gehalten, die Sets sind genauestens ausstaffiert und jede Kameraeinstellung ist wohl platziert. Vom B-Movie-Charme des Vorgängers weit entfernt, entfaltet „Evil Dead“ einen ganz eigenen, gekonnten Reiz.

Die Darsteller selbst, allesamt unbekannt, machen einen soliden Job – auch wenn niemand besonders heraussticht. Einzig und allein Hauptdarstellerin Jane Levy weiß voll und ganz zu überzeugen.
Die Prämisse rund um den kalten Entzug der Hauptdarstellerin und die Thematisierung ihrer drogenabhängigen Vergangenheit verleiht dem Film eine nicht zu unterschätzende Metaebene, auch wenn das Potenzial dieser hervorragenden Idee kaum genutzt und im Mittelteil vollkommen ausgeblendet wird. 

Sobald nämlich die verbotenen Wörter aus dem verfluchten Buch laut gelesen wurden und erste seltsame Anwandlungen die Besessene befallen, beschränkt sich Alvarez Interpretation des Klassikers auf das Abschneiden sämtlicher Körperteile – dies selbstverständlich stets auf höchst originelle Art und Weise. Das Blut spritzt im Sekundentakt durch die abgeschiedene Waldhütte, Ekel und Horror werden eins, wobei Letzterer leider zurückstecken muss. Alvarez lässt die anfangs subtile Inszenierung hinter sich und richtet sein Augenmerk schnurstracks auf das reine Spektakel. Die – zugegeben – sehenswerten (und handgemachten!) Goreeffekte nehmen überhand und lassen jegliche Spannung vermissen. Auch wenn das Geschehen weiterhin Spaß macht. Immerhin versteht es Alvarez trotzdem seinen Film verdammt schick aussehen zu lassen, wodurch es für das Auge immer etwas zu bestaunen gibt. Sei es der wunderbar gefährlich wirkende Wald, die heruntergekommene Waldhütte oder der besorgniserregende Keller.


©Sony Pictures

Leider schützt die formale Perfektion nicht vor eklatanten inhaltlichen Versäumnissen. Was nützt ein über weite Strecken hervorragend ausgenutztes Setting, wenn (beinahe) sämtliche Charaktere sich dämlich verhalten und dahingehend eine Identifikation mit den Figuren nicht stattfinden kann?
Hier tappt „Evil Dead“ leider in die Klischeefalle. Des Öfteren sind die Handlungen der Akteure schwer bis überhaupt nicht nachvollziehbar, wodurch das Mitfiebern äußerst schwer fällt. Hier hagelt es Stereotypen, so das naive Blondchen, der zögernde Held und der wissende Nerd. 

Das ist insofern schade, macht „Evil Dead“ sonst einiges richtig. Sobald jedoch auch die Handlung selbst immer kruder und unglaubwürdiger wird, stellt sich der Film mehr als nur ein ohnehin schon wackeliges Bein. Das (augenscheinliche) Finale ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, der Zuschauer ist regelrecht froh, wenn der Spuk vorbei ist. 

Das haben anscheinend auch die Drehbuchautoren erkannt, anders kann sich der Zuschauer das neuerliche zweite Finale nicht erklären. Die letzten 10 Minuten sind noch einmal ein starkes Stück Horrorkino, die tatsächlich durch und durch spannend sind. Zum ersten Mal darf mitgefiebert werden und Alvarez verbindet Gore und Horror auf solch perfide und gelungene Weise , dass sich gefragt werden darf, warum ihm das nicht schon vorher in solch ausgewogener Mischung gelungen ist. 

Sobald sich die Leinwand kunstvoll blutrot färbt, die Hölle ihre Pforten öffnet und das 
sprichwörtliche Terrorkino über das Kinopublikum hereinbricht, ist der Zuschauer in der Tat gebannt vom Überlebenskampf der Hauptfigur. Genau so muss eine „Evil Dead“- Verfilmung aussehen.
Würde das Finale für sich selbst als Kurzfilm bestehen, Alvarez wäre ein Meisterstück gelungen. So bleibt, neben dem würdigen Ende und dem gelungenen Anfang, ein übliches Stück Horrorkino, das weder innovativ noch sonderlich spannend im Genreeinheitsbrei sein Unwesen treibt. 

©Sony Pictures
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Evil Dead
Genre: Horror
FSK: ab 18 freigegeben
Regisseur: Fede Alvarez
Darsteller: Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou Taylor Pucci, Jessica Lucas


















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