Donnerstag, 19. September 2013

Hollywood und die Welt rund um Oz - eine schier ewig währende Liebesgeschichte / "Die fantastische Welt von Oz"


©Disney


Die "Fantastische Welt von Oz" ist ein Blockbuster, wie er im Buche steht. Dahingehend enttäuscht Hollywood seine darbenden Konsumenten in keinem Fall.Wie zuletzt üblich, handelt es sich bei diesem Film keineswegs um etwas gänzlich Neues bzw. Originelles. Schon im Jahre 1939 lieferte Regisseur King Vidor mit "Der Zauberer von Oz" eine bis heute frenetisch verehrte Verfilmung des berühmten Buches. Damit Hollywood nun aber keine Ideenlosigkeit vorgeworfen werden kann, wird einfach die Vorgeschichte erzählt. It is Prequeltime!

Die Bilder sind gigantisch, die Effekte vollendet und in seinem Größenwahn sucht das Effektespektakel seines Gleichen. Aber von Sam Raimi erwartet der Zuschauer natürlich mehr, als bloße Augenwischerei. 

Hier sieht die Sache dann schon etwas anders aus.
Die Story ist leider nicht in dem Maße überzeugend, wie die technische Seite des Filmes. Ist der Einstieg in den Film noch wunderbar charmant und witzig, so ist der Fortlauf der Story ab Betreten des Reiches Oz vorhersehbar von vorne bis hinten. Keine Überraschungen mehr, wenig Spannung und gegen Ende auch noch zahlreiche Logikfehler. 

Das ist ungemein schade, denn bei dem Ensemble hätte eigentlich nichts schiefgehen können.
Für viele stellt James Franco in der Hauptrolle des Zauberers einen großen Kritikpunkt da. Seine Mimik ist oftmals überzogen und grenzt schon fast an Karikatur. Jedoch erinnert sein Schauspiel an die Ära des Stummfilms und die Art der Schauspieler durch übertriebenes Nutzen von Gestik und Mimik ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Ein James Franco, der seine vollkommen verschlafene und bekiffte Oscarmoderation wieder gut machen will und nun doppelt so viel Aufwand in sein Schauspiel steckt, ist aber verständlicherweise nicht jedermanns Sache. Rachel Weisz und Mila Kunis als Hexengeschwister sehen gut aus, wobei Erstere glaubwürdiger wirkt. Vollkommen treffend besetzt ist aber Michelle Williams als herzensgute Zauberin Glinda. Fabelhafte Ausstrahlung! Außerdem ist es schön, Zach Braff mal wieder in einem richtig großen Projekt zu sehen.


Oz ahnt, dass er in einem großen Schlamassel steckt. ©Disney
Abseits der Effekte-Gigantomie punktet der Film mit viel Wortwitz und schräger Situationskomik. Dadurch kann er das schwache Drehbuch wenigstens etwas überspielen. Raimis Herkunft aus der Horrorfilmecke kann er auch nicht vollends verbergen, immer wieder schleichen sich kleine aber feine Verweise auf das Genre ein, das ihn einst berühmt machte. Ändert aber leider auch nichts daran, dass „Die fantastische Welt von Oz“ wenig Herz besitzt und seine quietschbunte Welt oftmals an „Alice im Wunderland“ erinnert. Irritierend sind auch manche 360° - Kamerafahrten, die die Welt von Oz in ihrer Pracht zeigen sollen. Durch den ansonsten sehr gelungenen 3D- Effekt wirkt die Umgebung teilweise erschreckend unscharf. Da wünscht man sich beinahe Jacksons HFR- Technik herbei…

Sei es wie es sei. „Die fantastische Welt von Oz“ ist sicherlich kein Meistwerk der Fantasy. Dafür unterhält der Streifen in seinen zu langen 130 Minuten jedoch ganz ordentlich und ist wenigstens kurzweilig. Die Welt Oz sieht schnieke aus, die Darsteller sind einigermaßen gut aufgelegt und die Sidekicks sorgen für den nötigen Witz im martialischen Geschehen. Popcornkino, wie es erwartet wird, jedoch nicht, wie es hätte sein können. 

Lieber noch mal „Der Sternenwanderer“ anschauen. Da passt alles.

©Disney
BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Die fantastische Welt von Oz
FSK: ab 6 freigegeben 
Genre: Fantasy, Komödie
Regisseur: Sam Raimi
Darsteller: James Franco, Mila Kunis, Zach Braff, Michelle Williams, Rachel Weisz







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