Montag, 2. September 2013

Chroniken der Unterwelt - City of Bones: Es ist alles nur geklaut sangen schon "Die Prinzen"!

©Constantin Film


Oh weh. Das wurde teilweise aber kräftig vergeigt. Statt die neue Hoffnung am Fantasy-Firmament zu werden, reiht sich „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ ein, in die Enttäuschungen der letzten Jahre. 

Dabei standen die Vorzeichen gar nicht mal schlecht. Eine Buchvorlage, die einiges an Potenzial bietet, mit Lilly Collins eine fähige Protagonistin und eine düstere Grundstimmung, wodurch sich die Buchverfilmung gleich mal von der Konkurrenz abzusetzen weiß. 

Doch auch die besten Voraussetzungen schützen nicht vor einem Reinfall. Trotz seiner beachtlichen Laufzeit von 130 Minuten wirkt der Film stets gehetzt, bemüht jegliche Info irgendwie irgendwo zu verwerten. Trotzdem bleibt einiges auf der Strecke, was zum einen für ungläubiges Zweifeln und zum anderen für unfreiwillige Komik sorgt.

Da werden Schlussfolgerungen gezogen, die jeglicher Grundlage entbehren, verschiedenste Genre-Versatzstücke zu einem klobigen unrunden Ganzen verformt. 

Lily Collins macht als Leading Leady einen guten Job, für ihre miese Synchronsprecherin kann sie ja nichts! ©Constantin Film
Sämtliches Material hat der Zuschauer schon einmal gesehen, originell ist an dem Film nichts. Das würde ja nicht einmal stören, wenn wenigstens der Bezug zu den Charakteren gegeben wäre. Aber nichts da. Lilly Collins spielt solide, eine Chemie zwischen ihr und dem unsagbar blassen Jamie Campbell Bower will sich nicht einstellen. Gerade einmal zwei Castmitglieder können hervorstechen. Robert Sheehan als witziger Sidekick und erwartungsgemäß der großartige Jonathan Rhys-Meyers in der Rolle des Antagonisten Valentine. 

An dieser Stelle sei auch auf die unfassbar miese Synchronisation verwiesen. Wer sowieso etwas gegen Synchros haben sollte, für den dürfte „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ Wasser auf die Mühlen darstellen. Noch nie(!) gab es bei einer etwas größeren Produktion – die sogar von der deutschen Filmproduktionsfirma Constantin Film geleitet wurde – so schlechte Synchronsprecher. Collins kann noch so gut spielen, gegen ihre emotionslose, unpassende und nervige Stimme hat sie keine Chance. Auch Campbell Bower hat es schlimm erwischt. So geraten romantische als auch witzige Szenen zwischen den Beiden zum Stimmungskiller. Über die Film-Mutter Lena Heady brauchen wir gar nicht erst zu sprechen. Wer auch immer dafür verantwortlich war: Man kann nur hoffen, er hat für diesen Schund seinen Job verloren. Dass so etwas auf das heimische Publikum losgelassen wird, ist ungeheuerlich...

Neben den absolut deplazierten Stimmen sorgt natürlich auch die Vorhersehbarkeit für verärgertes Stirnrunzeln. Die Entwicklungen der Figuren sind von Beginn an klar, Überraschungen in der Story sucht der Zuschauer vergebens. 

Es dauert eine ganze Weile bis Schwung in das Geschehen kommt. Sobald Jonathan Rhys Meyers die Bühne betritt, nimmt der Film an Fahrt auf. Die Action ist zünftig und einigermaßen gut inszeniert. Zwar häufen sich auch am Ende Ungereimtheiten und dämliches Verhalten sämtlicher Charaktere – langweilig wird es indes nicht. Hinzu kommt, dass das Design der Dämonen überraschend gruselig daherkommt und – für PG13 – ziemlich brutal. Hier zeigt sich hin und wieder das Potenzial, das „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ inne wohnt. Hilft jedoch nichts, wenn das Skript derart bescheuert aufgebaut ist und große Twists präsentiert werden, die einfach keine sind. 

Kann der aber böse gucken: Jamie Campbell Bower macht einen auf Bad Boy und ist dabei so glaubwürdig, wie eine Birne, die ein Apfel sein möchte. ©Constantin Film
Was bleibt, sind 130 Minuten gehetzte Unterhaltung, die überhaupt nicht ausreichen ordnungsgemäß in das Paralleluniversum einzuführen. Zu viele Fragen bleiben ungeklärt, zu dämlich mancher Storystrang und zu peinlich der eine oder andere Dialog. 

Dennoch, eine Lanze muss für den Film gebrochen werden: Zwar gibt es eine ziemlich hanebüchene und schlecht geschriebene (mit Popsong übertünchte!!!!) Romanze im Film, doch mit „Twilight“ ist er in etwa so zu vergleichen, wie Fisch mit Fleisch. Nämlich gar nicht. „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ ist - bei all seinen Fehlern – deutlich erwachsener angelegt und präsentiert seine Charaktere nicht als weinerliche Gedichte rezitierende Glitzerspackos im Blumenfeld. Für einen Kinobesuch reicht das zwar sicherlich nicht aus, aber für einen DVD-Abend zu hause (im O-Ton selbstverständlich!) macht der geneigte Fantasy-Fan wenig falsch. 

Das Sequel ist bereits in Planung, am 23. September sollen die Dreharbeiten beginnen. Bei dem bisherigen mehr als schlechten Einspielergebnis in den USA und auch hier bleibt es allerdings fraglich, ob in drei Wochen tatsächlich die erste Klappe fällt.


©Constantin Film
 BEWERTUNG: 5/10
Titel: Chroniken der Unterwelt - City of Bones
Produktionsland: USA, Dtl.
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Harald Zwart
Darsteller: Lily Collins, Jamie Campbell Bower, Jonathan Rhys Meyers, Lena Heady, Robert Sheehan

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