Freitag, 2. August 2013

Wenn der Wolf zum Kätzchen wird - "Wolverine - Der Weg des Kriegers"

Kinostart: 25.07.2013 ©20th Century Fox Germany




Wolverine ist im Vergleich mit all den anderen bekannteren Marvel-Helden sicherlich ein Rauhbein. Jemand, der mit Kraftausdrücken nicht spart und einer Konfrontation selten aus dem Wege geht. So zumindest in den Comics und weniger in den Filmen. Dort muss er seit nunmehr vier bis fünf Filmen für die Figur des gebrochenen Helden, der alles zerstört, das er liebt, herhalten. Aus dem gefährlichen Wolf wird ein Kätzchen, dass ein gefühltes Dutzend mal aus dem Schlaf hochschreckt, dem Albtraum entflieht. 

Im neuesten Ableger „Wolverine: Wege des Kriegers“ seziert Regisseur James Mangold den kampferprobten Charakter des Helden in mehrere Teile. Da hätten wir den unbändigen Wüterich, der seine Feinde mit brutalster Gewalt niederringt und auf der anderen Seite eben einen traumatisierten Weichling. Mangold lässt ihn wieder und wieder den Tod seiner einstigen Liebe Jean Grey durchleben. So oft, bis auch der letzte Zuschauer verstanden hat, dass es um sein Innenleben nicht gerade gut bestellt ist. Dem schließt sich langes Bettgeflüster – seine Vergangenheit zum Thema - mit seiner Verblichenen, als auch mit der aktuellen Love interest an. Hier wird versucht einem Charakter Tiefe einzuflößen, wo es gar nicht notwendig ist. Redundanz ist hierbei das Stichwort.

Da hilft auch kein Schauplatzwechsel gen Asien, wenn dort angekommen sowieso nur die üblichen Klischees durchexerziert werden. Ninjas, Samurai, Yakuza – alles vorhanden. Allerdings passt die Metapher des Ronin, ein herrenloser Samurai, zugegebenermaßen wie die mit Adamantium verstärkte Faust aufs blaue Auge. Denn Wolverine streunert – vor allem zu Beginn – ziellos durch die Wildnis ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben. Wer etwas für asiatisches Setting übrig hat, wird somit trotzdem auf seine Kosten kommen, auch wenn sich der Einblick in die japanische Kultur auf das übliche Einerlei aus amerikanischer Sicht beschränkt.

©20th Century Fox Germany


Leider bleibt die Story selbst auch im formelhaften 1x1 des Superheldenfilms stecken. Jegliche Entwicklungen sind von Anfang an klar, kein Charakter bricht aus üblichen Konventionen aus. Wer schlussendlich wen verrät, lässt sich sogar schon anhand des Trailers erraten. Die Action selbst ist routiniert inszeniert, verführt nie zu Jubelrufen, ist dank asiatischer Kampfkunst jedoch hübsch anzusehen. Wirkliche Suspense kommt jedoch nur einmal auf, während Wolverine mehrere Feinde in und auf einem Zug ausschaltet. Spektakulär eingefangen und umgesetzt. Dafür ist der riesenhafte Silver Samurai in der Tat so lächerlich, wie befürchtet und führt dazu, dass der Zuschauer das Finale nur schwer ernst nehmen kann. Außerdem ist der Versuch, auf PG 13-Niveau zu bleiben oftmals allzu krampfhaft umgesetzt. 

Darstellerisch sticht niemand besonders heraus. Die Rolle des Wolverine ist untrüglich das größte Geschenk in Hugh Jackmans Karriere. Niemand anderen möchte man sich mit diesen Koteletten und Krallen vorstellen. Schade nur, dass das Skript ihm kaum Möglichkeiten gibt, mimisch Großes zu leisten. Interessant ist „Wolverine: Weg des Kriegers“ jedoch ausgerechnet, sobald sich der Rezipient den weiblichen Nebencharakteren zuwendet. Diese sind durchaus in der Lage sich zu verteidigen und das eine oder andere mal scheinen sie tatsächlich Wolverine überlegen zu sein. Sei es Svetlana Khodchenkova als biestige Viper, oder Rila Fukushima als Helferlein. Selbst die klassische „Damsel in Distress“ Tao Okamoto weiß durchaus sich zur Wehr zu setzen. Wenn das Skript nur nicht so dermaßen frei an Überraschungen wäre...

Zwei Powerfrauen auf gegenüberliegenden Seiten: Yukio(links) und Viper(rechts) ©20th Century Fox Germany
Es scheint, als sei „Wolverine: Weg des Kriegers“ ein einziges Hinarbeiten auf den kommenden „X-Men: Days of Future Past“. Seine Gewissensbisse müssen glattgebügelt, seine Einstellung wieder geändert werden. Nur darum existiert er, was in der Post Credit- Scene umso deutlicher wird. Diese ist nämlich - eigentlich fast schon beschämend – das Beste am gesamten Film und läutet den Nachfolger ein. 

„Wolverine: Weg des Kriegers“ ist ein überlanger Prolog, der nur dank seines Hauptdarstellers halbwegs interessant erscheint, sonst allerdings wenig zu bieten hat. Im Hinblick auf all seine Kollegen hat es der Film schwer, sich zu behaupten. Zwar hat der Zuschauer nicht das Gefühl, ein Stück Lebenszeit verloren zu haben, doch als besonders kann das neueste Abenteuer rund um den (eigentlich) ungezähmten Wolf nicht bezeichnet werden. Schade drum. 

©20th Century Fox Germany


Bewertung: 5,5
Titel: Wolverine: Weg des Kriegers
Produktionsland: USA
Genre: Action, Sci-Fi, Fantasy
Laufzeit: 126 Minuten
Freigabe: ab 12 freigegeben
Regisseur: James Mangold
Darsteller: Hugh Jackman, Famke Janssen, Will Yun Lee, Rila Fukushima, Svetlana Khodchenkova, Hiroyuki Sanada



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