Donnerstag, 1. August 2013

Spotlight on: KÖNIG VON DEUTSCHLAND - Sneakausgabe #1

 Was ist schon ein Individuum?
Numero uno meiner "Spotlight on - Reihe": König von Deutschland!
Er ist 1,78m groß. Sein Lieblingsessen ist Wiener Schnitzel und seine Lieblingsfarbe blau. Er ist außerdem noch FC Bayern-Fan, redet im Schnitt 15 Minuten am Tag mit seiner Frau und deren Koitus beläuft sich auf rund 7 Minuten. 

Habt ihr euch in mindestens einem dieser Merkmale wiedererkannt?
Wenn ja, darf ich euch herzlichst im deutschen Durchschnitt willkommen heißen.
Doch wo im Grunde nur einige Merkmale auf Jedermann zutreffen, gibt es einen Menschen in der Bundesrepublik, der in jeglichen Belangen genau im Schnitt liegt. 

Thomas Müller hat kein sonderlich aufsehenerregendes Leben, ist im Grunde genommen aber glücklich. 

Familie, Job und baldiges eigenes Heim. 

Sein Leben nimmt jedoch eine schicksalhafte Wendung, als er plötzlich seinen Job verliert und ihm im gleichen Atemzug eine neue Chance gewährt wird. Fortan läuft alles wie geschmiert, sein neuer Chef freundet sich mit ihm an, seine Meinung ist gefragt. Allmählich kommen Thomas Müller jedoch Zweifel, finden seine Ideen plötzlich – sobald er sie ausgesprochen hat – einen Abnehmer. Sei es in der Politik oder in der Wirtschaft – seine Wünsche erfüllen sich....

Marktforschung am lebenden Objekt, Veronica Ferres hat sichtlich Freude daran! ©Zorro Filmverleih
Regisseur von „König von Deutschland“ David Dietl bekam das Talent für gelungene Satire schon früh in die Wiege gelegt. Sein Vater Helmut Dietl sorgte in den 90ern mit der Kult-Satire „Schtonk“ für Aufsehen. Es besteht kein Zweifel, dass sich sein Sohn sämtliches Handwerk bei Dietl Senior abgeschaut hat. 

Wichtigster Kritikpunkt einer Satire ist die Glaubwürdigkeit. Der Satiriker nimmt sich eines Themas an, das fest in der Realität verankert ist und aktuellen Bezug besitzt. So auch Dietl, der mit „König von Deutschland“ auf den Pfaden von Peter Weirs „Truman Show“ wandelt und die Individualität des Einzelnen, sowie Überwachung durch staatliche Institutionen in seinem Film aufgreift. Dies hat durch die Abhöraffäre der NSA einen besonders faden Beigeschmack. Natürlich nutzt Dietl das Stilmittel der Übertreibung, streut einige skurrile Szenen ein, doch im Kern ist „König von Deutschland“ eine durchaus ernste Angelegenheit. Jedenfalls wenn der Zuschauer die Lust verspürt, sich auch nach dem Abspann mit dem Thema auseinanderzusetzen. 

Freilich fallen sodann auch dramaturgische Schwächen auf. Mit zunehmender Laufzeit häufen sich Logikfehler und Ungereimtheiten, Charaktere beginnen, sich komplett irrational zu verhalten. Das wackelige Gerüst, auf dem das Skript aufgebaut ist, droht mehr als nur einmal einzustürzen.
Glücklicherweise geschieht dies nie ernsthaft, was vor allem an den glaubwürdigen Darstellern liegt. Ollie Dittrich mimt den Durchschnitts-Deutschen im Grunde perfekt. Unaufgeregt, sympathisch und ein Gutmensch durch und durch, der nur das Beste will und von der Situation zunehmend überfordert ist. Auch der Rest des Casts spielt solide, wobei Veronica Ferres' Engagement dazu führt, dass sich „König von Deutschland“ eher wie eine TV-Produktion, denn nach Stoff für die große Leinwand, anfühlt. 

©Zorro Filmverleih

Was jedoch nicht einhergeht mit niedriger Qualität. Der Film ist durchgehend amüsant, hat hier und da große Lacher, lädt zumeist zum Schmunzeln ein. Die letzte Prise Boshaftigkeit mag Dietls Langfilmdebüt noch fehlen, ein wenig Mut zur Konsequenz – geschenkt. 

„König von Deutschland“ ist in keinem Fall verschwendete Lebenszeit, auch wenn er nicht jegliches Potenzial ausschöpft. Es ist allerdings schön zu sehen, dass auch vordergründig seichte Unterhaltung zum Nachdenken anregen kann und dank seiner durchaus realistischen Prämisse einen gewissen Nährwert besitzt. 

Marktforschung am lebenden Objekt ist doch schon längst alltäglich, nur eben nicht in diesem Ausmaß. Oder doch? 

Schließlich wird tatsächlich geforscht, welche Farbe ein Politiker während seiner Fernsehauftritte tragen soll, welche Flaschenform bei Kunden besonders gut im Getränkemarkt ankommt und welche Gerüche ihn zum Kaufen animieren. „König von Deutschland“ treibt dies gekonnt auf die Spitze, auch wenn ihm – wie oben schon erwähnt – auf den letzten Metern der Wille fehlt mehr zu sein, als bloße Unterhaltung.

                                                    

BEWERTUNG:      6,5/10
Titel: König von Deutschland
Genre: Komödie, Satire
Regisseur: David Dietl
Darsteller: Veronica Ferres, Wanja Mues, Katrin Bauerfeind, Jonas Nay,   Jella Haase, Stephan Grossmann, Wolfram Koch, Hanns Zischler
Bundesstart: 05.09.2013
Produktionsland: Deutschland 
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: Noch nicht bekannt

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