Samstag, 24. August 2013

Oh brave Hollywood: Where Art Thou? - Ben Hur

©Neue Visionen
„Ben Hur“ – das ist Gigantismus, wie man ihn heute nicht mehr auf der Leinwand zu sehen bekommt. 

Unfassbar große Bauten, Unmengen von Statisten (50.000 Komparsen!! ), eine orchestrale Filmmusik und Schauspieler, die alles geben. DAS ist „Ben Hur“. Dieses Mammutwerk umfasst beinahe 4 Stunden. 4 Stunden, die tatsächlich wie im Fluge vergehen. Hochspannend, dramatisch, emotional und mitreißend.  Hollywood, wie es heutzutage nicht mehr möglich ist. Auf der Höhe seiner Zeit, noch bereit immense Risiken einzugehen um etwas Nachhaltiges zu erschaffen. Vom ersten Moment an nimmt einen der Film mit auf eine Reise voller Gefahren, Verrat, Liebe und die Freundschaft zweier Männer, die umschlägt in Hass und Tod. 

Charlton Heston in der Hauptrolle des Ben Hur und Stephen Boyd als sein römischer Freund Messala. Unfassbar dramatisches Schauspiel beiderseits. 

Der Werdegang Ben Hurs ist ein steiniger Weg, der von Regisseur William Wyler in überlebensgroße Bilder eingefangen wird. Sei es anfangs auf der Höhe seiner Macht als jüdischer Adeliger, das Leben auf römischen Galeeren als Sklave oder sein Aufstieg in Rom. Immer angetrieben vom Gedanken an Rache an dem Mann, der sein Leben und seine Familie zerstörte. 

Vom Adeligen zum Sklaven: Ben Hur durchlebt die Höhen und Tiefen des Lebens ©Neue Visionen
Witziges Detail nebenbei: Boyds Figur ist in Ben Hur verliebt. Darin eingeweiht waren jedoch nur der Regisseur, der Drehbuchautor und Boyd. Heston durfte davon nichts erfahren. Der olle Waffennarr…

Folgerichtig gipfelt das Geschehen im berühmten Pferderennen, das tatsächlich Maßstäbe setzt und zu Recht einen derart hohen Stellenwert besitzt. Das Rennen ist dermaßen perfekt inszeniert, dass es der Zuschauer vor Spannung kaum auf dem Sessel aushalten kann. Bedenkt der Rezipient, dass CGI damals nicht einmal vorstellbar war, umso beeindruckender. Die Stuntmen geben buchstäblich alles, die Wagen stoßen zusammen, überschlagen sich und die Kamera fängt all das ein. Nicht einmal moderne Blockbuster können dieses Niveau aufweisen, was Spannung, Dramatik und Gespür für große Bilder angeht. Gefährlich, echt und absolut mitreißend. Kein Wunder, dass die bekannteste Szene des Films durch einen vermeintlichen Unfall entstand, Regisseur William Wyler diese jedoch als überaus gelungen einschätzte und sogleich in die Endfassung übernahm. 

Das halsbrecherische Wagenrennen ist der Höhepunkt des Films! ©Neue Visionen
Doch leider verpasst der Film nun sein eigentliches Ende. Heißt das adaptierte Buch schon „A Tale of a Christ“ wird nun offensichtlich wieso. Sind die christlichen Symbole, ja sogar Jesus selbst, bislang angenehm zurückhaltend eingeführt worden, so schlägt Wyler nun mit dem Holzhammer zu. Die letzte Dreiviertelstunde erschlägt er den Zuschauer beinahe mit der ganzen Pracht des Christentums, ertränkt die gesamte Dramatik im Auftrag des Missionars. Das ist unheimlich schade, zieht es die zuvor zelebrierte Brillanz doch wieder gen Boden.

Ben Hur wird zur Nebenfigur degradiert, der Film widmet sich nun voll und ganz den letzten Momenten Jesu. Das erstaunt, vermochte „Ben Hur“ seinen Ursprung aus christlichem Gedankengut doch famos verschleiern bzw. subtil mit einzubeziehen.

 
Nichtsdestotrotz hat „Ben Hur“ zu recht seinen Status als epochales Mammutwerk der Filmgeschichte inne und unterhält bis kurz nach Ende des Wagenrennens unglaublich gut – bis William Wyler nun eben auf die Idee kommt, seine Zuschauer missionieren zu wollen.
Ein Epos, das auch heute noch nichts von seiner Faszination eingebüßt hat, auch wenn der Schlussakt nicht ganz zum Rest passen möchte. 


©Neue Visionen
Bewertung: 8,5/10
Titel: Ben Hur
Genre: Historienfilm
Regisseur: William Wyler
Darsteller: Charlton Heston, Stephen Boyd, Marina Berti, Terence Longdon, Frank Thring





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