Mittwoch, 14. August 2013

Magic Mike - Bloße Fleischbeschau für die Frau und/oder ernstzunehmendes Drama?

©Concorde Filmverleih

Steven Soderbergh ist das Chamäleon unter den Regisseuren. Nur Wenige wechseln die Genre so geschwind wie er und noch Weniger können ebenso viele Erfolge feiern. 

Mit „Magic Mike“ versucht er sich nun an einer eher ungewöhnlichen Aufstiegs- und Fallgeschichte. Channing Tatum mimt den titelgebenden magischen Mike. Dieser ist 30 Jahre alt, arbeitet tagsüber auf dem Bau und mutiert abends zum angehimmelten Stripper. Mitten hinein in diese irreale Welt gerät der junge Adam (Alex Pettyfer), dem der Spaß bald zu Kopf steigt. Natürlich ist auch Mike nicht völlig zufrieden, seine Berufung sieht er auf lange Sicht nicht in Tänzen im Tanga und dem täglichen Hantieren mit Einwegrasierer am Bein. 

Muskulöse Männer, die auf einer Bühne strippen, anfassen und angefasst werden. Klingt, wie der Film gewordene feuchte Traum einer jeden Frau. Der trainierte Tatum tanzt und strippt dabei in vorderster Reihe, was für weitere Jubelschreie seitens weiblicher Zuschauer sorgt und dabei vom eigentlichen Thema des Films ablenkt. 

Ob Army, Navy, Feuerwehrmann oder Arzt - Mike und seine Truppe können alles! ©Concorde Filmverleih
Soderbergh legt das Hauptaugenmerk nämlich nicht auf die Strip-Einlagen, die trotzdem ihren Raum einnehmen. Viel mehr ist er an den Figuren dahinter interessiert. Mikes Versuche, endlich Kapital für einen seriösen Job zu erlangen auf der einen Seite, und Adam, der sich mit voller Wucht in das neue Leben hineinwirft auf der Anderen. 

Leider aber ist der weitere Verlauf von Anfang an festgesetzt, Überraschungen sind rar gesät. Natürlich folgen Triumphe und Niederlagen, sowie der völlige Absturz. Soderbergh geht dramaturgisch keine neuen Wege, was „Magic Mike“ ein wenig schadet. Seltsam auch, dass sich Mike die Rolle der Hauptfigur teilen muss, immerhin ist nur sein Name im Titel. Dadurch verlieren die Figuren jeweils ein Stück an Tiefe. Adams Figur ist als kompletter Gegenentwurf zu Mike konzipiert, der sich seines Schützlings selbstverständlich annimmt und in Adam wahrscheinlich sogar sein jüngeres Selbst sieht. Die Mentor-Schiene fährt der Film also ganz ordentlich, auch wenn Originalität anders aussieht. 

Glücklicherweise aber können sämtliche Darsteller etwaige narrative Mängel überspielen. Tatum, der eigene Erfahrungen als Stripper mit in den Film einfließen ließ, überzeugt auf ganzer Linie. Sei es während der teils beeindruckenden Choreographien, oder in stillen, intimen Momenten. Langsam aber sicher entwickelt sich aus Tatum ein ernstzunehmender Charakterdarsteller. Auch Pettyfer kann in der Rolle des Grünschnabels überzeugen. Alle auf ihre Plätze verdrängt jedoch der großartige Matthew McConaughey als extrovertierter Clubbesitzer Dallas. Eine wahnsinnig unterhaltsame Performance! 

"Ja, wir haben auch mal Klamotten an, in diesem Film. Glaub mir Alex!" - Channing Tatum überzeugt gerade Alex Pettyfer bei "Magic Mike" mitzumachen. ©Concorde Filmverleih
In seinen besten Momenten ist „Magic Mike“ eine gelungene Milieu-Studie, die auch mal hinter die Bühne blickt und den harten Alltag (männlicher) Stripper beleuchtet. Ein Leben voller Rausch, Exzess und Alkohol hinterlässt so manche Spur. Allerdings ist der Aufstieg bzw. Fall arg formelhaft geraten und ermöglicht es „Magic Mike“ somit nicht, in höhere Sphären als bloßer Unterhaltung aufzusteigen. 

Trotzdem bedeutet das nicht, „Magic Mike“ würde sich nicht lohnen. Längen besitzt der Film nämlich keine und die Tänze sind mit genügend Augenzwinkern inszeniert, wodurch auch Mann ein wenig lachen kann. Dazu gesellt sich ein gut aufgelegter Cast, der eine oder andere gelungene Gag und einige stark ausgearbeitete Charaktermomente. Nur die Tiefe, der emotionale Bezug, ja, der fehlt ein wenig.


©Concorde Filmverleih
BEWERTUNG: 6,5
Titel: Magic Mike
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama, Komödie
Regisseur: Steven Soderbergh
Darsteller: Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey, Matt Bomer, Joe Manganiello, Olivia Munn

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