Mittwoch, 28. August 2013

I SAW THE DEVIL - Wenn der Täter zum Opfer wird, was würdest du tun?

©Splendid Film

Stell dir vor du hast ein glückliches Leben und alles scheint prima zu laufen.

Stell dir vor, du hast eine Freundin, die dich liebt und mit der du gerade eine wunderbare Zukunft aufbaust. 

Stell dir vor, du wirst bzw. willst für immer mit ihr zusammen leben.
Soweit alles klar? 

Dein Leben könnte also nicht besser sein. Alles scheint so, wie du es dir in deinen Träumen ausgemalt hast. 

Dann, in dem Moment eines einzigen Wimpernschlages.
Alles weg. 

Deine Zukunft? Zerstört. 

Deine Liebe? Genommen. 

Das Einzige, das von ihr bleibt, ist die Erinnerung.
Deine Erinnerung. 

Und die Qual, nicht da gewesen zu sein. 

Dein weiteres Leben ist nur noch bestimmt von einem Gedanken: Rache. 

Du weißt, wer dir das Liebste in deinem Leben genommen hat und du willst es ihm heimzahlen. Mit allen Mitteln. 

Jetzt male dir aus, was du mit diesem Kerl anstellen würdest.
Folter, Schläge, Drohungen – einfach alles. 

Doch eines kann ich dir versichern: Das ist alles nicht so schlimm, wie das, was Regisseur Kim Je Woon den Täter Min-Sik Choi durchleben lässt.

Unbarmherzig tötet Min-Sik Choi einen Menschen, nach dem Anderen. ©Splendid Film
Puh. Erstmal ausschalten. Abschalten.
„I saw the Devil“ ist kein schöner Film. Es ist auch kein Film, den man sich bedenkenlos oft anschauen kann. 

Der Film gleicht mehr einer Tour de Force durch die tiefsten Abgründe des Menschen. Das Schlechte wird zuoberst gekehrt und das Gute verschwindet. 

Es verschwindet langsam, aber auch unaufhörlich. Selbst Protagonist und Sympathieträger schlecht hin, Byung-hun Lee, verkommt immer mehr zu dem Monster, das er jagt und an dem er Rache üben will. 

Das Schlimme daran ist, dass er sich dessen bewusst ist. Ihm ist klar, dass er zudem wird, was er als Polizist eigentlich bekämpfen sollte. Sein Wesen ist jedoch derart mit dem Gedanken an Vergeltung durchtränkt, sodass nichts mehr eine Rolle spielt.
Es entspinnt sich ein mörderisch spannendes Psychoduell zwischen den Beiden, das durch seine Brutalität und Bosheit kaum zu ertragen ist. 

Dabei führt uns Kim Je Woon zielsicher von einer Extremität zur Anderen, inszeniert unfassbar elegant einen Strudel der Gewalt, der den Protagonisten droht in den Abgrund zu reißen.
Das macht sicherlich keinen Spaß, ist aber aufgrund des enormen Spannungsgrades schwer zu ignorieren. 

Byung-hun Lee ist verzweifelt, wird er doch auf seiner Jagd immer mehr zu dem Monster, das er eigentlich zur Strecke bringen will! ©Splendid Film
Seine volle emotionale Schlagkraft entfaltet „I saw the Devil“ in seiner Schlussszene, in der dem Protagonisten seine Ausweglosigkeit, seine allübergreifende Verzweiflung und Sehnsucht erst bewusst wird. 

Er hat alles verloren, ist gebrochen und vollkommen allein. 

Dieser Mann hat - im selben Maße, wie der Zuschauer -  in der Tat dem Teufel ins Gesicht geschaut.Der Teufel, der in jedem Menschen steckt, schläft und irgendwann einmal ausbricht.


©Splendid Film
BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: I saw the devil
Genre: Rache-Thriller, Drama
FSK: ab 18 (in Dtl. gekürzt)
Produktionsland: Südkorea
Regisseur: Kim Jee Woon
Darsteller: Byung-hun Lee, Min-Sik Choi



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