Montag, 19. August 2013

"Elysium" - oder: "Gott sei Dank bin ich in hundert Jahren nicht mehr hier!"


©Sony Pictures



Mit „District 9“ legte der südafrikanische Regisseur Neill Blomkamp vor ein paar Jahren ein ziemliches Brett in Sachen Sci Fi-Unterhaltung vor. Er vermochte, ein durchaus realistisch anmutendes Szenario mit der dazugehörigen Portion Unterhaltung zu verbinden und dadurch den Nerv des Publikums zu treffen. 

Nun, einige Zeit später, vertraut ihm ein Major-Studio mehr als das Dreifache an Budget an und gewährt ihm weitgehend Narrenfreiheit. 

Natürlich verschlägt es Blomkamp wieder einmal in futuristische Gefilde, namentlich das Jahr 2154. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert (natürlich) nicht mehr. Durch Überbevölkerung und Lebensmittelknappheit ist die Erde an den Rand des Kollaps gebracht worden, die Menschen sind verarmt. Aus der einstigen Metropole Los Angeles ist ein einziger, stinkender Slum geworden. Überall ärmliche Familien, dreckige Häuser und eingestürzte Wolkenkratzer-Silhouetten. Mittendrin befindet sich Autodieb Max (Matt Damon), der relativ mittellos sein Dasein fristet. Hoch über Ihnen thront majestätisch Elysium. In diese riesenhafte Raumstation haben sich die berühmten 1 % Prozent der Weltbevölkerung zurückgezogen. Jene, die genügend Geld besitzen, um sich alles zu kaufen. Eine Jahrhunderte umfassende Lebensspanne, keinerlei Krankheiten und somit ein sorgenfreies Leben. 

Los Angeles hat sich in hundert Jahren ziemlich verändert... ©Sony Pictures
Das Genre des Science Fiction bietet sich immer an um aktuelle Probleme aufzugreifen, weiterzuentwickeln und somit auf die Missstände der heutigen Zeit aufmerksam zu machen. Blomkamp hat dieses Prinzip schon mit „District 9“ verinnerlicht und führt sein Konzept mit „Elysium“ weiter fort. 

Auch wenn die Prämisse rund um die Kluft zwischen Arm und Reich nicht unbedingt originell ist, altbacken ist sie nie. 

Die Einführung in Blomkamps Vision der Erde in über Hundert Jahren ist unfassbar gut gelungen. Glaubhaft entwickelt er eine Welt, in der die Bevölkerung von Androiden kontrolliert wird, während sich der wohlhabende Teil der Menschheit aus allen Problemen dieser Welt heraushält. Widerstand findet nur im kleinen Stil statt und ist nur selten von Erfolg gekrönt. Die Ausnutzung der Schwachen greift der Film ebenso auf, wie Motive der aktuellen Politik insbesondere in Bezug auf die amerikanische Außenpolitik. 

...Raumstationen aber auch! ©Sony Pictures

Blomkamp war jedoch noch nie ein Mann der leisen Worte. Schon in „District 9“ geriet die subtile Kritik am System mit fortschreitender Laufzeit immer weiter in den Hintergrund und verblasste angesichts der berauschenden Actionszenen. So auch in „Elysium“. 

Nachdem die erschreckend realistisch wirkende Prämisse vorgestellt ist, setzt Blomkamp vermehrt auf visuelle Schmankerl. Seien es die hervorragend ins Setting integrierten CGI-Effekte, oder die vermehrt auftretenden Actionsequenzen. Die durchaus in den Raum gestellte Kritik verblasst hinter Spektakel und Pomp. Das ist durchaus schade, geht so doch gehörig Potenzial flöten und nimmt sich der Film selbst das Potenzial zum Meisterwerk. 

Trotzdem bleibt „Elysium“ bis kurz vor Ende hoch unterhaltsam. Zwar ist es schade, dass nicht ein wenig zurückgenommener agiert wird, doch auch das Actionfeuerwerk ist ansprechend in Szene gesetzt. Damon macht sich in der Rolle des Helden wider Willen sehr gut, auch wenn seine Figur nicht gerade viel hergibt. Anders sieht es da schon auf der Seite der Bösen/Reichen aus. Spaß macht vor allem Jodie Foster, die sichtlich Freude daran hat, die eiskalte Bitch Delacourt zu verkörpern. Ohne jegliche emotionale Regung geht sie über Leichen um Elysium und ihre Bewohner zu schützen. So gut und gleichwohl erfrischend, durfte sie schon lange nicht mehr ihr Können unter Beweis stellen. Eine zweite positive Überraschung ist definitiv Blomkamps Buddy Sharlto Copley in der Rolle des elysianischen Agenten Kruger. Dieser ist dermaßen herrlich over the top in Szene gesetzt, dass es eine helle Freude ist. Überlebensgroß in den Actionszenen, vollkommen psychopathisch sobald die Waffen einen Moment schweigen. Copley zeigt hiermit, wie wandelbar er doch tatsächlich ist. Vom tragischen Helden in „District 9“ zum gefährlichen Soziopathen in „Elysium“. Ganz groß!
Blomkamp selbst hat seinen Stil auch ein wenig verfeinert. Zwar setzt er um der Authentizität willen ein wenig zu sehr auf Wackelkamera, abgesehen davon jedoch sieht „Elysium“ noch ein Stück besser aus, als sein Vorgänger. Es überrascht auch, wie brutal während der Kampfszenen zu Werke gegangen wird. Blomkamp ist der wohl einzige Regisseur im Big Budget-Bereich, der derart schonungslos draufhalten darf. Erinnert ein wenig an „Starship Troopers“.

Kruger(Sharlto Copley) macht Max(Matt Damon) das Leben zur Hölle! ©Sony Pictures
Wie schon eingangs erwähnt, geht dem Film zum Ende hin allerdings die Puste aus. Das Skript zeigt immer offensichtlichere Schwächen, seien es Ungereimtheiten oder fehlende emotionale Bezüge. Da hilft es auch nicht, beinahe das komplette Ende aus „Blood Diamond“ zu klauen und im selben Maße in kitschige Gefilde zu rutschen. Aus dem sozialkritischen Ansatz wird leider Gottes ein naives „Allen geht es wieder gut“-Ende, das den Zuschauer unbefriedigt zurücklässt. An Naivität kaum zu überbieten und dem realistischen Ansatz der Story kaum entsprechend. Das hatte Blomkamp in seinem ersten Spielfilm noch deutlich besser zusammengeführt. 

Trotz dessen ist „Elysium“ mehr als brauchbares Genre-Kino, das sein Potenzial zwar nicht gänzlich ausschöpft, allerdings von vorne bis hinten zu unterhalten weiß. Man kann nur hoffen, dass der Film ein Erfolg wird, damit noch mehr dieser an ein erwachsenes Publikum gerichteten Genre-Ware das Licht der Leinwand erblickt. Dann aber mit ein wenig mehr Konsequenz...

©Sony Pictures
 BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Elysium
FSK: ab 16 freigegeben
Produktionsland: USA
Regisseur: Neill Blomkamp
Darsteller: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, William Fichtner, Alice Braga, Diego Luna

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