Donnerstag, 15. August 2013

Election 1 & 2: Triaden-Machtkampf vor meditativer Kulisse

Titel: Election 1 & 2; Genre: Gangsterfilm; Laufzeit: 96 Min & 90 Min; FSK: ab 18; Regisseur: Johnnie To; Darsteller: Simon Yam, Tony Leung, Nick Cheung, Suet Lam, Louis Koo, Mark Cheng ©3L Filmverleih


Mit „Election“ legt Meisterregisseur Johnny To einen etwas unüblichen Film vor. Er reduziert die in seinen sonstigen Filmen vorherrschende Coolness auf ein Minimum und versucht ein ganz und gar realistisches Bild der Triaden zu zeichnen. Dabei gewährt er uns erstaunliche Einblicke in das Geschäft der Triaden. Werden diese normalerweise nur als das Pendant zur italienischen Mafia gehandelt, verhält es sich in Wahrheit nicht ganz dementsprechend. 

Erstaunlich, wie weit verzweigt und umfangreich diese Organisation ihr Dasein pflegt, wie sie entstand und was sie alle zusammenhält. Oder auch nicht. Um nichts anderes geht es in „Election“. Ein neuer Anführer muss her und die Wahl gestaltet sich zu einem wahren Kampf um Krieg und Frieden innerhalb der Triade.

So harmonisch wie hier geht es nicht immer zu. Die Wahl droht zu einem blutigen Fiasko zu werden... ©3L Filmverleih


To nimmt sich viel Zeit um die Wahl zu beleuchten. In seiner knappen Laufzeit von gerade mal 90 Minuten widmet er sich ausgiebig dem Für und Wider des jeweiligen Kandidaten. Viele Dialoge, viel Geplänkel und Machtspielchen. 

Das mag für den Einen oder Anderen sicher auf Dauer etwas langweilig wirken, mich jedoch schlägt es in ihren Bann. Der Film strahlt - wie auch sein Nachfolger - eine meditative Gelassenheit aus, die im Gangsterkino seines Gleichen sucht. Fokussiert zeichnet To den Werdegang der Wahl, sowie jegliche Entscheidungen der Charaktere zum Wohl der Triade.

Zwar gibt es wenig handfeste Action, das macht das Geschehen jedoch nur umso realistischer und auch glaubwürdiger. Die Gewalt – natürlich gibt es sie – ist wohl dosiert und dennoch knüppelhart. Sie wird hier als eine Notwendigkeit dargestellt. Nicht als Mittel zum Zweck. 

Tradition und Moderne: Beides wird versucht unter einen Hut zu bringen. ©3L Filmverleih

Natürlich stimmt auch wieder die Darstellerriege. Angeführt von Simon Yam und Tony Leung als rivalisierende Gangsterbosse geben sie allesamt eine überragende Leistung ab. Es ist nur schade, dass To den vielen Nebencharakteren in der knapp bemessenen Laufzeit nicht viel Profil mit auf den Weg geben kann. Das versperrt dem Film auch den Titel eines Meisterwerks. 

So bleibt ein faszinierender Triaden –Film, der dem Zuschauer tatsächlich eine neue Seite dieser Bruderschaft zeigt und noch einmal mit einem ungemein harschen und dennoch folgerichtigen Finale zu packen weiß. 

„Election“ ist großes Kino. Danke, Mr. To.

Bewertung Teil 1: 8,5/10

ELECTION 2 - Konsequente Fortführung des großartigen Erstlings
 
„Election 2“ entwickelt seine Charaktere auf unerbittliche Art und Weise weiter, lässt neue Konflikte entstehen und Freundschaften zerbrechen. Die Story rund um eine erneute Wahl im Kreise der Triade begeistert wieder aufs Neue, ist spannend und teilweise brutal umgesetzt. 

Dabei gelingt es Johnnie To wie schon im Vorgänger, die Gewalt niemals zum Selbstzweck verkommen zu lassen. Sie bricht immer dann aus, wenn es der Film bzw. seine Entwicklung benötigt. Sei es um einen Charakter noch weiter zu formen oder den Spannungsgrad anzutreiben.

Die ersten Fußsoldaten fallen den Machtspielchen zum Opfer ©3L Filmverleih

Das vermag To nämlich außerordentlich gut. Trotz vollkommen ruhiger und nüchterner Erzählweise - manchmal verkommt „Election 2“ beinahe zum Stillstand - ist der Zuschauer dabei, fiebert mit und harrt der Dinge, die noch kommen mögen. 

Was sie natürlich auch tun. 

Aussteigen unmöglich - einmal Mitglied, immer Mitglied ©3L Filmverleih

Wieder einmal entspinnt sich ein grausamer Kampf um Macht und Geld. Dieses Mal jedoch um den einstigen Sympathieträger Lok und seinen ehemaligen Schützling Jimmy. Dabei nimmt sich To angenehm viel Zeit um den Bandenkrieg vorzubereiten, lässt ihn immer nur im kleinen Stil eskalieren. Vor allem Jimmy wird so zu einem tragischen Antihelden. Auf der einen Seite versucht er, den illegalen Machenschaften der Triade zu entgehen, schlussendlich bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig als ebenfalls für den Besitz des Zepters zu kandidieren. Hier offenbart sich die größte Stärke Tos‘ Auseinandersetzung mit dem Mythos Triade. Hier gibt es weder schwarz noch weiß. Kein Gut und kein Böse. Alle Figuren haben dunkle Seiten an sich. Der liebende Vater genauso wie der in seine Frau vernarrte aufstrebende Geschäftsmann. Das macht „Election 2“ auch so glaubwürdig und realitätsnah. Alle haben Dreck am Stecken und versuchen das Beste zu machen.
Da passt das Ende doch allzu perfekt hinein. Endete der Erstling noch in der erschreckenden Demaskierung des ach so umsorgenden Brüder- Mythos der Triade, so zeigt „Election 2“ einer der Hauptfiguren einen Funken Hoffnung in dem sicheren Glauben, der „Familie“ niemals wieder entrinnen zu können. 

Die Election – Reihe entwickelt sich zu Johnnie Tos Meisterwerk . Nuff said.

Bewertung Teil 2: 9,5/10

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