Dienstag, 27. August 2013

Die Roaring Twenties tanzen Foxtrott zu Jay-Z und Lana Del Ray - The Great Gatsby!



 Das Amerika der 20er Jahre ist geprägt vom Bild der Champagner saufenden Öffentlichkeit, die auf rauschenden Partys ihr Geld zum Fenster raus wirft. 

Welcher Regisseur könnte für ein Sittengemälde jener Zeit geeigneter sein als Baz Luhrman?
Richtig, so gut wie niemand. 

So beschreibt er die golden 20s mit ausufernden Bildern, schwelgt in offen zur Schau gestellter Dekadenz und Opulenz und entführt den Zuschauer in den Rausch einer fiebrigen Party. 

Die New Yorker High Society tanzt Foxtrott zu Hip Hop Klängen, feiert sich ins Delirium und lässt den Schampus in Strömen fließen. In „Der große Gatsby“ wirkt alles ein wenig größer, alles ein wenig gewagter und vor allem vergnügter. 

Das Leben in den 20ern ist eine einzige Party!

Tobey Maguire wird in diesen dargestellten Exzess der Neureichen hineingeworfen und lässt sich fallen. New York wird sein neues Zuhause mit all seinen Vorzügen – der vordergründigen Ausgelassenheit im Kern New Yorks, während in den Randbezirken die ärmsten der Armen den Dreck wegschaffen, den die Obrigkeit erst fabriziert. 

Luhrman ist ein visueller Regisseur. Schon immer gewesen. Er schwelgt in seinen rauschartigen Bildern und seiner pompösen, oftmals stilbrechenden Atmosphäre. Schon lange wurde ein derart buntgemischter Soundtrack nicht mehr so gut in einen Film eingebettet. Hier geben sich Jay-Z, Florence and the Machine und Lana Del Ray die Klinke in die Hand. „Der große Gatsby“ ist dementsprechend ein audiovisueller Genuss. Luhrman spielt viel mit ausschweifenden Kamerafahrten, lässt das New York der damaligen Zeit mit großem Tamtam wieder aufleben.
Der Zuschauer gibt sich diesem Farbreigen hin, genießt die Partys und die offensichtliche Oberflächlichkeit. 

Luhrman zeigt Mut, was nicht anders zu erwarten war, immerhin entstammt „Romeo und Julia“ auch seinem ungemein farbenfrohen Geist. Nur der 3D-Effekt ist zu weiten Teilen verschenkt. Niemals erreicht er die Tiefenschärfe eines „Hugo Cabret“. Er bleibt stets an der Oberfläche und kann dem Geschehen wenig Neues hinzufügen. Nichtsdestotrotz besticht „Der große Gatsby“ durch visuelle Brillianz. Tritt dieser Aspekt jedoch in den Hintergrund, braucht „Der große Gatsby“ etwas um in die Spur zu kommen. 

Die schnelle, ja fast schon hektische Inszenierung kommt plötzlich beinahe zum erliegen, wenn die eigentliche Story rund um Gatsby seinen Lauf nimmt. Hier ist es erwartungsgemäß den Darstellern zu verdanken, dass der Film trotzdem prächtig unterhält. 

Gatsby ist mehr als die bloße Projektion von Reichtum!
Natürlich ist es Leonardo DiCaprio, auf den sich alle Augen richten. Wie nicht anders zu erwarten, schlägt er sich mit Bravour. Die Rolle des Jay Gatsby ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Seine Verkörperung ist (wie könnte es anders sein) oscarreif. Gebt dem Jungen endlich seinen Goldjungen, damit die Filmnerds dieser Welt endlich einmal Ruhe geben. Die eigentliche Überraschung ist jedoch Joel Edgerton, eher ein Mann aus der zweiten Garde Hollywoods, der als Gatsbys Widersacher eindrucksvoll seine Fähigkeiten unter Beweis stellt. Maguire hat nicht viel zu tun, außer in wichtigen Szenen nebenbei zu sitzen, damit er als Erzähler durch den Film führen kann. Erst gegen Ende wird auch er ein bisschen gefordert. Carrey Mulligan in der Rolle der Daisy besitzt eine engelsgleiche Aura, die, in Verbindung mit ihren braunen Rehaugen, die Leinwand für sich einnimmt. 

Sobald also die Partys, die Musik und das Feuerwerk abklingen und der eigentliche Film beginnt, erwartet den Zuschauer einiges an spektakulär eingefangener Dramatik. Zwar fehlt es Luhrman am Gespür für die leisen, ruhigen Momente – seinen Hang zur überbordenden Inszenierung wird er nur selten wirklich los – doch die packende Geschichte in Verbindung mit dem herausragenden Cast garantieren für einen vergnüglichen Kinogenuss. Interessant wird der Film vor allem, sobald er sich dem Mysterium des Gatsby annimmt. Wer ist dieser Mann, der aus dem Nichts kam, eine Party nach der Anderen ausrichtet und selbst weitgehend unbekannt ist? Er ist anfangs noch der Inbegriff der zelebrierten Banalität aus Geld, Schampus und Sex. Doch im Laufe des Filmes wandelt sich sein Image hin zum einzigen Wesen, das noch wahre Liebe empfinden kann und dieses hohle Dasein in Reichtum und Überfluss nur der Liebe wegen erschaffen hat. Hier klingt dann doch F. Scott Fitzgeralds ursprüngliche Kritik durch und die Story entfaltet ihr eigentliches Potenzial.

„Der große Gatsby“ ist vielleicht nicht das erwartete Meisterwerk, doch ein herausragender Film ist er immer noch. Rauschhaft inszeniert, mit pompöser Ausstattung und grellem Bilddesign versehen, ist „Der große Gatsby“ Kino für die Augen. Die Gesellschaftskritik mag zwischen der überbordenden Pop-Romanze ein wenig verloren gehen, nicht jedoch die emotionale Zugkraft, die der Film zum Ende hin entwickelt. 

Bewertung: 8,5/10
Titel: The Great Gatsby
Genre: Literaturverfilmung
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Baz Luhrman
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Joel Edgerton, Tobey Maguire, Carrey Mulligan, Isla Fisher, Gemma Ward







1 Kommentar:

  1. Edgerton schon in WARROIR gaz groß gewesen. Den großen Gatsby werde ich mir auch noch anschauen, nicht zuletzt wegen di Caprio.

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