Montag, 5. August 2013

Das 1x1 des Haunted House: The Conjuring!

©Warner Home Video
Anno 2010 sorgte ein Regisseur namens James Wan mit einem kleinen, altmodischen Spukfilmchen namens „Insidious“ für große Aufmerksamkeit. Bekannt durch das äußerst brutale, dennoch durchdachte Werk „Saw“, erwartete Jedermann ein blutiges Unterfangen. Doch siehe da, Wan verzichtete komplett auf jegliches Folterinstrument, frönte dem fast schon für Tod erklärten Grusel und zitierte nach Herzenslust einen Klassiker nach dem Anderen. 

Hat sich etwas daran im Folgewerk „Conjuring – Heimsuchung“ geändert? 

Mal abgesehen von einer exorbitant gesteigerten Erwartungshaltung seitens der Fans sicher nicht. Eingebettet im wunderbar atmosphärischen 70er-Jahre-Setting entfaltet sich eine eigentlich schon ein gutes Dutzend mal erzählte Horrorgeschichte. 

Eine sympathische Familie zieht in ein älteres Haus, findet einen ominösen Keller und der Schrecken nimmt seinen Lauf. Natürlich darf bei einem heutigen Horrorfilm die Marke „basierend auf einer wahren Begebenheit“ nicht fehlen. So nimmt sich Wan eines Falles des tatsächlich existierenden Warren-Ehepaars an, die in den 70ern und 80ern zahlreichen okkulten Phänomenen auf der Spur waren und – wie im Film gezeigt – einige Bücher schrieben und Vorträge an Universitäten hielten. 

Wan nimmt sich angenehm viel Zeit seine Figuren vorzustellen und ihnen für einen Horrorfilm überraschend viel Tiefe einzuflößen. Sei es die Familie oder das Ehepaar. Sie alle sind nicht nur Eckpfeiler in einer Geschichte aus Horrorversatzstücken, sondern tatsächliche Charaktere, deren Überleben dem Zuschauer ein Anliegen ist. Ein großer Verdienst muss auch den Darstellern zugestanden werden. Wan-Spezie Patrick Wilson und Vera Farmiga als Dämonologen-Ehepaar strahlen genügend Glaubwürdigkeit aus, damit die Geschichte nicht ins Lächerliche abdriftet. Gerade Farmiga überrascht in der Rolle des Mediums, die sich immer tiefer ins Dunkel bewegt. 

In the corner of your eye: Vera Farmiga sieht schon Gespenster ©Warner Home Video
Neben dem gelungenen 70er-Flair ist es vor allem Wans versierte Inszenierung, die „Conjuring – Heimsuchung“ über restliche Genrevertreter hebt. Die Kamera bewegt sich oftmals unfassbar elegant durch das verfluchte Haus, wunderschöne Kamerafahrten, genauestens arrangierte Szenerien – der gesamte Films ist hervorragend konzipiert und durchkomponiert. 

Auch in seinem neuesten Werk vertraut Wan auf die klassischen Mittel des Horrors. Wenig Blut, dafür zuschlagende Türen, Schritte im Nirgendwo, gruselige Gestalten beinahe außerhalb des Sichtfelds, Schreie und klatschende Hände. Mehr als einmal stellen sich die Nackenhaare auf, auch wenn die großen Schocks, wie sie „Insidious“ zuhauf aufweisen konnte, größtenteils ausbleiben.

„Conjuring – Heimsuchung“ ist natürlich weit davon entfernt, dem Haunted-House-Genre neue Facetten abzugewinnen. Viel mehr suhlt sich Wan in Klischees, weiß sie aber überaus effektiv zu einem großen, runden Ganzen zu vermischen. Er zitiert sich durch sämtliche Klassiker und schafft es trotzdem, den Zuschauer mitzureißen - wenn auch nicht im gleichen Maße wie drei Jahre zuvor mit „Insidious“. 

"Lass mich raten: Er ist direkt hinter mir, nicht wahr?" - Patrick Wilson glaubt nicht an die üblichen Horrorklischees! ©Warner Home Video

Denn wie schon erwähnt: Die heftigen Schocks sind dieses mal nicht in selbem Maße durchschlagend, das Finale besitzt nicht dieselbe Spannungsdichte. Dennoch stellt „Conjuring – Heimsuchung“ nach all den Enttäuschungen der letzten Jahre - „Mama“ und „Possession“ um nur zwei zu nennen – eine willkommene Abwechslung dar. Schön zu sehen, dass es immer noch echte Handwerker im Horror-Segment gibt, die es vermögen, im Zuschauer noch echte Furcht zu erzeugen. Diese Gabe ist, weiß Gott, selten geworden.


©Warner Home Video
BEWERTUNG: 7/10
Titel: The Conjuring
Genre: Horror
FSK: ab 16 freigegeben
Regisseur: James Wan
Darsteller: Patrick Wilson, Vera Farmiga, Joey King, Ron Livingston, Lily Taylor, Mackenzie Foy

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