Mittwoch, 31. Juli 2013

„Ich liebe dich!“- My Sassy Girl und die Rückkehr des ehrlichen Liebesfilms


      
©3L Filmverleih
Das sind doch eigentlich drei einfach, banale Worte, die aber doch so unerlässlich für Liebesfilme sind. Hier fallen sie im Minutentakt. Die Kamera weidet sich quasi an den Schauspielern, wie sie mit ihren Lippen aneinanderhängen und nicht voneinander können.

Dadurch sollen Emotionen beim Zuschauer geschürt werden. Er soll gerührt, glücklich, manchmal vielleicht auch traurig oder enttäuscht sein. Doch viele westliche Filmemacher versuchen in ihren Filmen ein romantisch-unrealistisches Bild von Liebe zu entwerfen, das sich gut verkaufen und vermarkten lässt. Sie banalisieren dieses eigentlich wichtige Thema und füttern ihre Filme mit den üblichen Klischees und Motiven des Liebesfilms. Doch dass es auch anders geht, beweisen die Südkoreaner mit „My Sassy Girl“.

Liebe ist…

Jeder kennt diese kleinen Cartoons, die dem Betrachter den Begriff Liebe näher bringen sollen. Das geschieht meistens auf eine amüsant kindliche Art, die aber doch um so vieles echter ist, als nahezu jede Hollywoodschnulze es je sein könnte.

In einer Beziehung sind es nicht diese drei Worte, die Liebe ausmachen. Es sind die Handlungen der jeweiligen Personen und wie sie ihre Liebe zum Ausdruck bringen können:
durch kleine Geschenke, Gesten, Blicke.

Eben das verkörpert der südkoreanische Film „My Sassy Girl“. Für Schnulzenliebhaber der Marke Richard Gere oder Hugh Grant ist dieser Film sicher nicht gemacht. Die Liebe zwischen den beiden Hauptdarstellern wird immer nur angedeutet, nie ausgelebt und gezeigt. Zunächst ist es der Blick im Regen, der tiefste Zuneigung ausdrückt, dann eine Rose, die dem „sassy“ Mädchen während des Unterrichts gebracht wird. Es ist nur das Anlehnen des Mädchens an die Hauptperson. Niemals fallen die Worte „Ich liebe dich“ und niemals wird auch nur ein Kuss gezeigt.

Vielmehr muss der Zuschauer die vielen Hinweise, die der Film gibt, richtig deuten, um die vielen Konflikte des Mädchens und der Liebesbeziehung erahnen zu können. Wer dazu in der Lage ist, dem offenbart sich ein Liebesfilm, wie er echter kaum zu finden ist. Endlich mal hat man das Gefühl: Ja, so kann es wirklich passieren.

©3L Filmverleih


Das Wort Schicksal streift durch den Raum und ja, diese beiden gehören einfach zusammen. Hier und da schrammt der Film natürlich arg am Kitsch vorbei, kontert aber mit so raffiniert geschriebenen Dialogen und einer gleichermaßen originellen Regie, sodass man es ihm nicht sonderlich übel nehmen kann. Ganz im Gegenteil.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass das amerikanische Remake mit Elisha Cuthbert genau diesen Fehler begeht und die Subtilität des Originals vermissen lässt. Sicherlich ist es auch ein großer Verdienst des Schauspielpaares Tae-hyun Cha und Jun Ji-hyun, dass „My Sassy Girl“ so überaus gut funktioniert. Die stimmende Chemie zwischen Ihnen sorgt für die nötige Glaubwürdigkeit, die das für westliche Sehgewohnheiten ungewohnt schrille Auftreten des Films dringend benötigt. Regisseur Jae-young Kwak entwirft originelle Szenerien, die in Windeseile zwischen Tragik, Komik und Absurdem hin- und herspringen und den Zuschauer mehr als einmal verblüffen dürften. Amüsant ist es auch zu sehen, wie sehr der Film die typischen Geschlechterrollen umkehrt, denn sein Verhalten hat viel mehr weibliche Züge als ihres. Sie trinkt, schlägt sich und hat auch keine Bedenken ihren Mund laut aufzureißen, wenn ihr etwas nicht passt. Er hingegen ist still, leicht schüchtern und ihm ist eigentlich alles peinlich, was sie tut. Trotzdem aber spürt er eine tiefe Traurigkeit in ihr, die ihn stocken lässt. Er nimmt sich ihrer an und versucht zu helfen, wo er nur kann. Die völlige Selbstaufgabe wird zum Beweis seiner Zuneigung ihr gegenüber. Doch der Grund, die völlige Wahrheit, warum sie so traurig ist und ihn immer wieder von sich stößt, erfährt der Zuschauer erst zum Schluss, wenngleich immer wieder klug platzierte Hinweise von Kwak eingestreut werden. Das macht den Film nur noch interessanter, vergrößert es doch nur die Bandbreite an Gefühlen, die er im Betrachter auslöst. Je mehr man sich mit „My Sassy Girl“ beschäftigt, desto größer ist die Wirkung, die dieser Film auf einen ausübt. Die vielen erinnerungswürdigen Szenen spuken wieder und wieder durch den Kopf, machen deutlich, um was für einen Ausnahmefilm es sich hierbei handelt.

©3L Filmverleih

“My Sassy Girl“ bewegt, setzt Emotionen frei und fühlt sich – anders als etwaige Genrenachbarn aus Hollywood - echt an. Diese Emotionen sind Dinge, die eigentlich elementarer Bestandteil eines jeden Liebesfilms sein müssten. Doch wie der leiderprobte Kinogänger weiß, ist das nur selten der Fall. Ein gewichtiger Grund also, warum die immense Strahlkraft des Films innerhalb eines fast schon für tot geglaubten Genres beinahe einer Rehabilitation des Liebesfilms gleichkommt. Es gibt sie noch, die Meisterwerke unter den Schnulzen.

9,5/10

Kommentare:

  1. Den möchte ich auch schon so so so lange sehen. Hab ihn aber leider nicht. Ich vergess ihn immer (schande über mich. Am besten ich bestell ihn einfach sofort... :)

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    1. Gut so. Toller Film, wenn man sich auf den manchmal schrägen Ton des Films einlassen kann. Für alle Anderen gibt es ja das glattgebügelte amerikanische Remake... ;)

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